Strompreis-Untersuchung: Was Strom die Anbieter wirklich kostet – und warum Millionen Kunden zu viel bezahlen
Es ist der ewige Vorwurf: Für höhere Kosten lassen die Stromanbieter den Kunden zahlen - wenn es für sie günstiger wird, geben sie dies nicht weiter. Aber stimmt das? Eine Untersuchung nennt nun Zahlen.
Jeder Kunde kennt diese Briefe von seinem Stromanbieter: "Wir müssen leider Ihren Strompreis erhöhen, aber natürlich haben wir einen guten Grund...." Mal sind es hohe Beschaffungspreise, mal gestiegene Netzentgelte und gerne auch fiese Steuern und staatliche Abgaben wie die EEG-Umlage, die als Begründung herhalten müssen. Ob das immer die ganze Wahrheit ist oder vielleicht ein anderer Kostenbestandteil günstiger geworden ist, lässt sich für den Kunden nur schwer nachvollziehen.
Immerhin: In diesem Jahr fällt die leidige Preiserhöhungsrunde bei vielen Kunden aus. Bei den zum Jahreswechsel angekündigten Preisänderungen der Grundversorger halten sich Erhöhungen und Senkungen ungefähr die Waage (mehr dazu lesen Sie hier). Verbraucherschützer sehen darin allerdings keine gute Nachricht, weil die Strompreise für Privathaushalte auf hohem Niveau verharren. Sie fordern, dass diese eigentlich kräftig sinken müssten, weil der Börsenstrompreis niedrig ist und die EEG-Umlage im kommenden Jahr sinken wird. PAID Wie man die Kosten fürs Homeoffice absetzen kann_10Uhr
Eine Untersuchung des Stromwechselportals Switchup liefert für diese Argumentation nun konkrete Zahlen. Das Portal hat sich die Entwicklung aller wichtigen Kostenfaktoren der Stromanbieter über einen Zeitraum von drei Jahren angesehen und dies mit den Preisen der Grundversorger in den größten 50 Städten verglichen. Fazit der Auswertung: "Die Schere zwischen Verbraucherpreisen und den wesentlichen Kostenkomponenten klafft zunehmend auseinander."
Rechnung für Musterhaushalt
Switchup berücksichtigt in seiner Analyse alle externen Kostenfaktoren der Versorger. So liegen die Kosten für sämtliche Steuern, Abgaben und Umlagen laut Auswertung 2021 exakt auf dem Niveau von 2018. Die Beschaffungskosten liegen dank niedriger Börsenstrompreise sogar im zweiten Jahr in Folge niedriger. Leicht gestiegen sind lediglich die Nutzungsentgelte der Netzbetreiber. Unterm Strich steht nur eine minimale Gesamtkostensteigerung (siehe Grafik 2).
Grundversorgung ist teuer
Wichtig zu betonen ist: Die Untersuchung umfasst die Preise in der teuren Grundversorgung. In der sind jene 27 Prozent der Stromnutzer, die sich noch nie die Mühe gemacht haben, in einen günstigeren Tarif beziehungsweise zu einem anderen Anbieter zu wechseln.
Man kann daher auf Grundlage der Zahlen nicht pauschal sagen, dass sich die Stromanbieter allesamt gierig die Taschen voll machen. Denn es gibt ja durchaus einen regen Preiswettbewerb, wie ein Blick in einschlägige Vergleichsportale verdeutlicht. An dem beteiligen sich übrigens auch die Grundversorger, die neben der teuren Grundversorgung auch günstigere Tarife im Angebot haben. Strompreise, 20.00
Doch Verbraucher, die daran nicht teilnehmen und nie wechseln, werden offenbar immer mehr geschröpft. "Die Trägheit der Verbraucher wird ausgenutzt", sagt Switchup-Chef Arik Meyer, der als Betreiber eines Wechselassistenten natürlich auch selbst ein Interesse daran hat, dass die Trägen endlich aufwachen. In Teilen funktioniere der Wettbewerb immer noch nicht, sagt Meyer. Zudem möchte der Switchup-Chef grundsätzlich mit der Erzählung der Stromanbieter aufräumen, dass der Strompreis durch externe Kostenfaktoren immer höher getrieben wird. Zumindest für die letzten Jahre stimmt das laut seiner Auswertung nicht.
Der Energieanbieterverband BDEW dagegen verweist in einem Statement gegenüber dem stern darauf, dass die hohen Strompreise nach wie vor maßgeblich auf staatliche Steuern und Abgaben zurückzuführen seien. Diese seien seit 2010 um 70 Prozent gestiegen und machten mehr als die Hälfte des Strompreises aus. Zudem ist der Branchenverband der Ansicht, dass der Preiswettbewerb auf dem deutschen Strommarkt funktioniert. "Wer seine Preise ungerechtfertigt erhöhen würde, würde Kunden verlieren", sagt eine BDEW-Sprecherin.
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