Interview bei TV Berlin: Hans-Georg Maaßen will Tagesschau-Journalisten überprüfen lassen - ohne Belege
CDU-Kandidat Maaßen behauptet, dass Journalist:innen der ARD Kontakte zur linksextremen Szene haben soll. Namen nannte er nicht, Belege kann der ehemalige Bundesverfassungschutzchef nicht vorlegen.
Der CDU-Bundestagskandidat und ehemalige Bundesverfassungsschutzchef fordert eine Überprüfung von ARD-Journalist:innen, genauer gesagt von Redakteur:innen der Tagesschau. In einem Interview mit dem Privatsender TV Berlin sagt er wörtlich: "Wenn man sieht, dass es da auch Verbindungen gibt, zwischen Personen, die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiten und die Tagesschau arbeiten, und der linken und linksextremen Szene, dann wäre das wirklich auch eine Untersuchung wert." Auf Nachfrage des Journalisten, ob Maaßen denn irgendwelche Belege für seine Behauptung habe, konnte der CDU-Politiker keine Antworten liefern. 07: CSUGeneralsekretär Markus Blume hält Maaßen für Belastung im CDUWahlkampf - 978310dac2eb27fe
Maaßen sehe keine ausgewogene Berichterstattung
Maaßen sehe nicht mehr die Ausgewogenheit der Berichterstattung, wenn es ums Politische gehe. Er warf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen "klaren Linksdrall" vor und sprach von "Manipulation der veröffentlichten Meinung", er sehe dort keine ausgewogene Berichterstattung. Er schlägt daher vor, dass der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der die Tagesschau verantwortet, einen Untersuchungsausschuss in den Bundesländern installieren soll. Dieser solle "die Biografie von einigen Redakteuren mal auf den Prüfstand" stellen, "ob diese Leute auch charakterliche Eigenschaft haben, die Tagesschau durch Redaktion zu begleiten", empfiehlt Maaßen.
Für seine Äußerungen hagelte es Kritik in den sozialen Netzwerken. Der NDR-Journalist Patrick Gensing schrieb auf Twitter: "Die autoritären Fantasien, freie Medien kontrollieren zu können, äußern sich mal in abstrusen Ideen, mal in aggressiven Attacken und Beleidigung. Mit #Pressefreiheit hat das auf jeden Fall wenig zu tun." Auch der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, zeigte sich verwundert, über die Äußerungen von Maaßen. Er schrieb in einem Tweet: "Journalist/innen mit „Verbindungen zur linksextremen Szene“ in der @tagesschau-Redaktion? Was für verhaltensoriginelle Aussagen, Herr @HGMaassen! Oder haben Sie dafür Belege?"
Vertrauen in die Medien gestiegen
Von den Vorwürfen des CDU-Politikers abgesehen, ist das Vertrauen der Menschen in die Medien wieder gestiegen. Das fand die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in der Langzeitstudie "Medienvertrauen" heraus. Zu Ende des Jahres 2020 gaben 56 Prozent der Befragten an, wenn es um wirklich wichtige Dinge wie etwa Umweltproblemen, Gesundheitsgefahren, politischen Skandalen und Krisen gehe, könne man den Medien vertrauen. 2015 lag dieser Wert noch bei 28 Prozent. Das Vertrauen war vor allem in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit 70 Prozent am größten.
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