Lage in Afghanistan : "Nur Chaos": Geretteter Mann berichtet von Toten und Schüssen am Flughafen in Kabul

Die Entwicklungen nach der Machtübernahme der Taliban im stern-Ticker zur Lage in Afghanistan.

Die News zur Lage in Afghanistan:

7.01 Uhr: Aus Afghanistan Geretteter berichtet von Toten und Schüssen

Aus Afghanistan in Sicherheit gebrachte Menschen haben nach ihrer Landung in Deutschland von schlimmen Erlebnissen und chaotischen Verhältnissen am Flughafen in Kabul berichtet. Ein Passagier sagte am frühen Morgen am Frankfurter Flughafen, er habe Tote gesehen und Schüsse gehört. "Es ist schrecklich", sagte Mahmud Sadjadi. "Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Nur Chaos", beschrieb er die Zustände in Kabul. Der Mann aus dem Westerwald war zuvor mit einem Evakuierungsflug der Lufthansa aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent nach Frankfurt geflogen worden.

6.40 Uhr: IWF setzt Afghanistans Zugang zu Geldern aus

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat der Internationale Währungsfonds den Zugang Kabuls zu IWF-Ressourcen wegen der unsicheren politischen Lage ausgesetzt. "Derzeit herrscht innerhalb der internationalen Gemeinschaft Unklarheit über die Anerkennung einer Regierung in Afghanistan, was dazu führt, dass das Land keinen Zugang zu SZR (Sonderziehungsrechten) oder anderen IWF-Ressourcen hat", erklärte eine IWF-Sprecherin am Mittwoch. 

heute wichtig Folge 82

5.39 Uhr: Menschenrechtsbeauftragte kritisiert bürokratische Visaverfahren für Afghanen

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung hat die bisherigen Visaverfahren für Schutzbedürftige aus Afghanistan kritisiert. Es wäre wünschenswert gewesen, "wenn das Bundesinnenministerium schon früher unbürokratischere Visumsverfahren zur Einreise ermöglicht hätte, als klar war, dass wir mit diesen Verfahren die Menschen nicht schnell genug aus dem Land bekommen", sagte Bärbel Kofler (SPD) der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Es sei absolut essentiell, dass schnell geholfen werde, fügte sie hinzu.

5.09 Uhr: Weitere Flugzeuge mit Evakuierten in Frankfurt gelandet

Am Frankfurter Flughafen sind in der Nacht zwei weitere Maschinen mit insgesamt rund 500 Menschen gelandet, die aus Afghanistan in Sicherheit gebracht worden sind. Die Flugzeuge - eines von Lufthansa und eines von Uzbekistan Airways - waren wenige Stunden zuvor in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gestartet. An Bord der Lufthansa-Maschine waren nach Airline-Angaben rund 250 Menschen, die zuvor mit einer Bundeswehr-Maschine von Kabul nach Taschkent geflogen worden waren. Im Flieger der staatlichen Fluggesellschaft Uzbekistan Airways saßen laut Auskunft des Flughafenbetreibers etwa 240 Menschen.

4.50 Uhr: Linke: Nicht nur aus Kabul evakuieren

Die Linke fordert eine Ausweitung der laufenden Evakuierungen von gefährdeten Menschen in Afghanistan über die Hauptstadt Kabul hinaus. "Die meisten Ortskräfte, Lehrerinnen oder auch mutige Lokalpolitikerinnen oder Journalistinnen leben nicht in Kabul, sondern verteilt über die Provinzen Afghanistans", sagte Fraktionschef und Spitzenkandidat Dietmar Bartsch der Deutschen Presse-Agentur. Es müsse geprüft werden, wie Evakuierungen auch über andere Flughäfen, mit Transporthubschraubern oder auch über Straßen aus Städten wie Masar-i-Scharif, Kundus oder Kandahar möglich würden, forderte Bartsch. "Die Nato-Staaten sind es ihren Ortskräften und Familien schuldig, alles in Bewegung zu setzen, um sie zu retten."

PAID Wird Afghanistan wieder zum Rückzugsort von Terroristen 19.30

3.07 Uhr: Bundeswehr hat bislang mehr als 900 Menschen aus Kabul ausgeflogen

Die Bundeswehr hat bislang mehr als 900 deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus Kabul ausgeflogen. Die Evakuierungsflüge wurden in der Nacht fortgesetzt, wie das Einsatzführungskommando der Bundeswehr auf Twitter mitteilte. Zuletzt startete demnach um 1.46 Uhr (MESZ) eine Maschine vom Typ A400M "mit über 200 zu Evakuierenden an Bord aus Kabul". 

2.03 Uhr: UNO zieht Teil ihres Personals aus Afghanistan ab

Die UNO hat einen Teil ihres Personals aus Afghanistan abgezogen. Rund 100 Mitarbeiter würden in die kasachische Stadt Almaty verlegt, erklärte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. "Dies ist eine vorübergehende Maßnahme, die es den Vereinten Nationen ermöglichen soll, der afghanischen Bevölkerung weiterhin mit einem Minimum an Unterbrechungen zu helfen und gleichzeitig das Risiko für das UN-Personal zu verringern."

1.30 Uhr: Raisi: Iran in Afghanistan-Krise zu Kooperation mit Peking und Moskau bereit

Der Iran ist nach den Worten seines neuen Präsidenten Ebrahim Raisi zur Zusammenarbeit mit Russland und China bereit, um "Stabilität und Frieden" in Afghanistan zu sichern. In einem Telefonat mit Chinas Präsident Xi Jinping sagte Raisi, Teheran wolle sich auch für die "Entwicklung, den Fortschritt und den Wohlstand" in Afghanistan einsetzen, wie es auf der offiziellen Website der iranischen Präsidentschaft hieß. 

1 Uhr: Dobrindt: UN-Flüchtlingshilfe Milliarden-Zusage machen

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat sich für finanzielle Unterstützung in Milliardenhöhe zugunsten der UN-Flüchtlingshilfe ausgesprochen, um Geflüchtete aus Afghanistan in Camps in den Nachbarländern unterzubringen. "Die Fehler von 2015 nicht zu wiederholen, bedeutet auch, dass wir die UN-Flüchtlingshilfe stärker dabei unterstützen, die Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Dazu müssen wir Milliarden-Zusagen für die nächsten Jahre machen", sagte er mit Blick auf die Bundesregierung.

Nachrichten von Mittwoch, 18. August:

23.32 Uhr: Biden: "Chaos" am Flughafen Kabul bei US-Truppenabzug unvermeidbar

Die chaotischen Szenen am Flughafen von Kabul nach der Machtübernahme der Taliban waren nach Ansicht von US-Präsident Joe Biden angesichts des geplanten Truppenabzugs unvermeidbar. Er wisse nicht, wie man es hätte schaffen können, den Abzug aus Afghanistan angesichts der Lage "ohne Chaos" zu meistern, sagte Biden in einem Interview des Fernsehsenders ABC.

Biden zu Abzugschaos 6.57 Uhr

22.14 Uhr: Weitere Lufthansa-Maschine mit Evakuierten in Taschkent gestartet

In der usbekischen Hauptstadt Taschkent ist eine weitere Lufthansa-Maschine gestartet, um aus Afghanistan in  Sicherheit gebrachte Menschen nach Deutschland zu bringen. Das teilte ein Lufthansa-Sprecher mit. Die Landung des Airbus A340 wurde für den frühen Donnerstagmorgen in Frankfurt erwartet. Die genaue Zahl der Passagiere an Bord war zunächst unklar. Die Menschen waren zuvor von der Bundeswehr von Kabul nach Taschkent geflogen worden. Die Bundeswehr hatte am Dienstag ihre Rettungsaktion von Deutschen und Afghanen begonnen.

21.37 Uhr: Erdogan spricht Afghanistan Unterstützung aus

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan dem Land seine Unterstützung zugesagt. Wer auch immer die Führung innehabe, man stehe Afghanistan in guten wie in schlechten Zeiten bei, sagte Erdogan laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Die Türkei habe bereits zuvor erklärt, man könne die Führung der Taliban empfangen, das gelte auch heute. Bisher sind Erdogan zufolge 522 türkische Staatsbürger aus dem Land gebracht worden.

20.54 Uhr: Geflüchteter Präsident Afghanistans in den Vereinigten Arabischen Emiraten untergekommen

Der aus Afghanistan vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban geflohene Präsident, Aschraf Ghani, befindet sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Vereinigten Arabischen Emirate hätten Ghani und dessen Familie "aus humanitären Gründen" aufgenommen, erklärte das Außenministerium in Abu Dhabi laut der staatlichen Nachrichtenagentur WAM. Ghani war außer Landes geflohen, nachdem die Taliban am Sonntagvormittag bis an den Stadtrand von Kabul herangerückt waren. Sein Aufenthaltsort blieb zunächst unbekannt.

20.22 Uhr: Bundeswehr fliegt weitere 220 Menschen aus Kabul nach Taschkent aus

Im Zuge der Evakuierungsflüge aus Kabul ist eine weitere Maschine der Bundeswehr mit 220 Menschen an Bord auf dem Flughafen der usbekischen Hauptstadt Taschkent eingetroffen. Damit seien mehr als 670 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht worden, teilte das Bundesverteidigungsministerium auf Twitter mit. Nach Angaben des Bundesaußenministeriums waren fast alle Passagiere afghanische Staatsbürger, unter ihnen mehr als 80 Frauen.

Der Militärtransporter A400M landete nach Angaben des Verteidgiungsministeriums um 18.41 Uhr (MESZ) in Taschkent. Von dort sollen sie die Menschen in Lufthansa-Maschinen nach Deutschland gebracht werden. Insgesamt waren für Mittwoch vier Flüge von Kabul nach Taschkent geplant, wie es in einem vertraulichen Lagebericht des Bundesverteidigungsministeriums vom Mittwoch für den Bundestag heißt, der AFP vorliegt.

20.19 Uhr: Pentagon – Inzwischen rund 4500 US-Soldaten am Flughafen Kabul

Das US-Militär ist am Flughafen Kabul nach eigenen Angaben inzwischen mit rund 4500 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Das erklärte der Sprecher Verteidigungsministeriums, John Kirby. Am Vortag waren es noch 3500 gewesen. Kirby sagte, im Laufe des Mittwochs könnten am Flughafen der afghanischen Hauptstadt noch ein paar Hundert Soldaten dazukommen. In einigen Tagen sollen es dann bis zu 6000 Soldaten werden. Sie sollen die Sicherheit des Flughafens gewähren und unter anderem die Evakuierung von Amerikanern und früheren afghanischen Mitarbeitern der US-Streitkräfte organisieren.

19.37 Uhr: Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums zu Afghanistan

Angesichts der Lage in Afghanistan trifft sich das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur an diesem Donnerstag (9.00 Uhr) zu einer Sondersitzung. Erwartet wurde, dass auch der Chef des für die Auslandsaufklärung zuständigen Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, an der Sitzung teilnehmen wird. Es steht unter anderem die Frage im Raum, warum deutsche und ausländische Geheimdienste noch während des rasanten Siegeszugs der Taliban dessen Ausmaß und Tempo lange unterschätzten. Das aus neun Parlamentariern bestehende, geheim tagende Kontrollgremium überwacht für den Bundestag die Arbeit der deutschen Geheimdienste.

19.17 Uhr: Maas: Lage am Flughafen Kabul weiterhin "außerordentlich chaotisch"

Die Lage am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul ist nach Angaben von Bundesaußenminister Heiko Maas weiterhin zum Teil "außerordentlich chaotisch". "Die Anzahl der Zugangspunkte ist beschränkt. Und nach unseren Informationen scharen sich Hunderte von Menschen vor diesen Toren, teilweise werden das auch Tausende und dabei ist es immer wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen", sagte der SPD-Politiker nach der Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung in Berlin.

Trotzdem nimmt die Evakuierungsaktion der Bundeswehr für deutsche Staatsbürger und afghanische Helfer der Bundeswehr und Bundesministerien Fahrt auf. Insgesamt seien rund 500 Menschen ausgeflogen worden. "Wir wollen das in den kommenden Tagen auch in der Quantität weiterführen", sagte Maas. "Wir wollen weiterhin so viele Menschen wie möglich aus Afghanistan in Sicherheit bringen."

19.04 Uhr: Gespräche der Bundesregierung mit Taliban noch ohne Ergebnis

In ersten Gesprächen mit den militant-islamistischen Taliban über die Evakuierung afghanischer Ortskräfte hat die Bundesregierung zunächst keine Ergebnisse erzielt. "Wir haben bisher keine belastbaren Sicherheitszusagen, dass die Taliban afghanische Staatsangehörige frei zum Flughafen passieren lassen", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas nach einer Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung in Berlin. Maas hatte am Dienstag den Afghanistan-Experten Markus Potzel nach Doha im Golfemirat Katar geschickt, um mit Unterhändlern der Taliban über die Ortskräfte zu sprechen.

16.54 Uhr: Bericht: Ende Juni war Evakuierung von Ortskräften aus Masar-i-Scharif geplant

Afghanische Ortskräfte und ihre Familien hätten laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bereits Ende Juni aus dem nordafghanischen Masar-i-Scharif in Sicherheit gebracht werden können. Für den 25. August habe das Bundesverteidigungsministerium zwei Charterflugzeuge organisiert gehabt, berichtete das Blatt in seiner Donnerstagsausgabe. Die Operation sei damals aber an Streitigkeiten um Pass- und Visaanforderungen gescheitert.

Dem "SZ"-Bericht zufolge waren die Maschinen bei zwei spanischen Airlines bestellt worden, um 60 afghanische Ortskräfte der Bundeswehr und ihre Familienangehörigen auszufliegen. Bis zu 300 Menschen hätten so in Sicherheit gebracht werden können – vier Tage vor dem Ende des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. Die Bundeswehr hatte in Masar-i-Scharif ihren Hauptstützpunkt in Afghanistan gehabt.

16.26 Uhr: Nato-Staaten beraten am Freitag über Afghanistan-Krise

Die Außenminister der Nato-Staaten kommen am Freitag zu einer außerordentlichen Videokonferenz zusammen, um über die Lage in Afghanistan zu beraten. Das teilte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg auf Twitter mit. Dadurch solle die "enge Abstimmung" fortgesetzt und das gemeinsames Vorgehen erörtert werden, hieß es. Die militant-islamistischen Taliban haben innerhalb kurzer Zeit die Macht in Afghanistan übernommen. Zuvor hatten die USA angekündigt, ihre Truppen aus dem Land abzuziehen. Auch Deutschland, Großbritannien und die übrigen Alliierten hatten sich daraufhin entschieden, den Einsatz zu beenden.

16.23 Uhr: Vereinigte Arabische Emirate nehmen Afghanistans Präsidenten auf

Der aus Afghanistan geflüchtete Präsident Aschraf Ghani ist in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) aufgenommen worden. Das Außenministerium des Golfstaats bestätigte, dass das Land ihn und seine Familie aus humanitären Gründen aufgenommen habe. Zuvor hatte es Berichte gegeben, wonach Ghani in der Hauptstadt Abu Dhabi gesichtet worden sein soll.

16.20 Uhr: BMI distanziert sich von Schätzungen der Flüchtlingszahlen

Das Bundesinnenministerium (BMI) distanziert sich von der Schätzung, dass wegen der Machtübernahme der Taliban mit bis zu fünf Millionen afghanischen Flüchtlingen zu rechnen sein könnte. "Das ist nicht die Einschätzung des BMI", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte Innenminister Horst Seehofer (CSU) bei einer Unterrichtung der Bundestags-Fraktionschefs am Montag selber gesagt, dass 300.000 bis fünf Millionen Afghanen die Flucht ergreifen könnten – ohne das klar wurde, woher diese Zahlen stammen und was das Ziel dieser Menschen ist.

Im Ministerium ist nun von "Hypothesen und Vermutungen" aus anderen Quellen die Rede. Eine Sprecherin betonte auf erneute Nachfrage, dass wegen der dynamischen Entwicklung derzeit "keine belastbare Prognose" zur Größenordnung der Migration möglich sei.

15.23 Uhr: Taliban-Vertreter treffen sich mit Karsai und Abdullah

In Afghanistan haben sich Vertreter der militant-islamistischen Taliban mit anderen politischen Kräften getroffen. Demnach sprachen Ex-Präsident Hamid Karsai und der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung Abdullah Abdullah mit dem hochrangigen Taliban-Mitglied Anas Hakkani. Ein Mitarbeiter Karsais teilte danach mit, es sei um Pläne und weitere Treffen gegangen, wenn die politische Führung der Taliban-Bewegung in Kabul eingetroffen sein werde. Das Treffen habe im Haus von Abdullah Abdullah in Kabul stattgefunden. Am Dienstag hatte der Sprecher der Taliban während einer Pressekonferenz erklärt, man wolle auch andere politische Kräfte an der Macht beteiligen. PAID Wer sind die neuen Taliban? 0640

14.43 Uhr: EU und USA "zutiefst besorgt" um Frauen und Mädchen in Afghanistan

Die Europäische Union und die USA haben sich "zutiefst besorgt" über die Situation der Frauen in Afghanistan geäußert. Die radikalislamischen Taliban müssten "jede Form der Diskriminierung und des Missbrauchs" vermeiden und die Rechte der Frauen schützen, hieß es in einer veröffentlichten gemeinsamen Erklärung, die von 18 weiteren Ländern unterzeichnet wurde. 

"Wir sind zutiefst besorgt um die Frauen und Mädchen in Afghanistan, ihre Rechte auf Bildung, Arbeit und Bewegungsfreiheit", hieß es in der Erklärung. Die Machthaber und die Behörden im ganzen Land müssten "ihren Schutz garantieren". Zu den Mitunterzeichnern des Appells gehörten unter anderem Australien, Brasilien, Kanada, Neuseeland, der Senegal und die Schweiz.

14.31 Uhr: Bislang gut 200 Afghanen unter den aus Kabul ausgeflogenen Menschen

Bei den Evakuierungsflügen aus Kabul sind in dieser Woche nach Angaben des Auswärtigen Amts von deutscher Seite bislang gut 500 Menschen aus Afghanistan herausgebracht worden. Davon seien 189 deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, 202 Afghaninnen und Afghanen sowie 59 Menschen aus anderen EU-Staaten und 51 Menschen aus weiteren Staaten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Zur Frage, wie sich die Gruppe der ausgeflogenen afghanischen Bürgerinnen und Bürger zusammensetze, lägen noch keine genauen Angaben vor, sagte der Sprecher weiter. Es seien aber nach den bisherigen Informationen sowohl afghanische Ortskräfte darunter als auch Familienangehörige von Deutschen. Eine genauere Aufschlüsselung sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

11.56 Uhr: Nordrhein-Westfalen will 1800 Afghanen aufnehmen

Nach der faktischen Machtübernahme durch die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan will Nordrhein-Westfalen von dort 1800 Menschen aufnehmen. Dabei geht es um 800 afghanische Ortskräfte, die in den vergangenen Jahren für deutsche Organisationen gearbeitet haben. 1000 weitere Plätze sollen vornehmlich Frauen offenstehen, die in den Bereichen Bürgerrechte, Menschenrechte, Kunst und Journalismus arbeiten und besonders bedroht sind. Das bestätigte die Staatskanzlei in Düsseldorf. Zuvor hatte die "Rheinische Post" berichtet. Einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zufolge bereiten sich auch mehrere andere Bundesländer auf die kurzfristige Aufnahme von Hunderten Geflüchteten vor. 

11.40 Uhr: Bericht: US-Geheimdienste warnten vor Kollaps der afghanischen Armee

US-Geheimdienste haben nach Informationen der "New York Times" bereits im Juli vor einem raschen Zusammenbruch des afghanischen Militärs und einem wachsenden Risiko für die Hauptstadt Kabul gewarnt. In mehreren Berichten stellten sie zu dieser Zeit unter anderem in Frage, ob afghanische Sicherheitskräfte den militant-islamistischen Taliban ernsthaften Widerstand leisten würden, schrieb das Blatt am Dienstag unter Berufung auf informierte Kreise.

US-Präsident Joe Biden hatte am 8. Juli noch öffentlich erklärt, eine Machtübernahme der Taliban in ganz Afghanistan sei unwahrscheinlich. Trotz des Vormarsches der Islamisten hielt er damals an seinen Abzugsplänen fest.

11.31 Uhr: Bundeswehr bringt 176 weitere Menschen aus Kabul in Sicherheit

Die Bundeswehr hat 176 weitere Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. Die Bundeswehrmaschine sei soeben in der afghanischen Hauptstadt gestartet, schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Vormittag auf Twitter. Die Menschen an Bord der Maschine vom Typ A400M werden nun in die usbekischen Hauptstadt Taschkent gebracht. Von dort sollen sie nach Deutschland ausgeflogen werden. Seit der Einrichtung der Luftbrücke seien damit mehr als 400 gefährdete Menschen in Sicherheit gebracht worden, teilte das Bundesverteidigungsministerium mit.

11.30 Uhr: Afghanen nach Landung in Frankfurt auf Weg nach Hamburg

Nach der Landung mit einer Lufthansa-Maschine in Frankfurt werden alle Afghanen, die an Bord waren, in eine Aufnahmeeinrichtung nach Hamburg gebracht. Dies teilte ein Sprecher der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen am Mittwoch mit. Insgesamt handle es sich um eine Gruppe von 17 bis 19 Menschen mit afghanischem Pass. Zuständig sei nun das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

11.11 Uhr: Hunderte Afghanen harren rund um Flughafen aus

Nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban harren in Afghanistans Hauptstadt Kabul weiterhin Hunderte Menschen rund um den Flughafen aus. Das berichteten Augenzeugen am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Kinder, Frauen und Männer hielten sich in den Straßen um das Flughafengelände auf. Viele Afghanen versuchen aktuell, das Land zu verlassen. Allerdings ist der Flughafen nur eingeschränkt in Betrieb. Derzeit bemühen sich zahlreiche westliche Länder, ihre Staatsbürger und Ortskräfte aus Afghanistan in Sicherheit zu bringen.

11.04 Uhr: Bitte aus Nepal an Deutschland: Sicherheitsleute aus Kabul ausfliegen

Nepal hat Deutschland und andere Länder gebeten, nepalesische Sicherheitsleute in Afghanistan in Sicherheit zu bringen. Rund 1500 Nepalesen hatten dort für Botschaften und Büros der Vereinten Nationen gearbeitet, sagte eine Sprecherin des nepalesischen Außenministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Aus dem Auswärtigen Amt war zu hören, dass der für den Außenschutz des deutschen Botschaftsgeländes in Kabul beauftragte Sicherheitsdienstleister eine mittlere bis hohe zweistellige Zahl von nepalesischen Kräften eingesetzt hatte. Einige davon seien derzeit mit einer großen Gruppe anderer Nepalesen am Flughafen in Kabul.

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11.02 Uhr: Iran befürchtet mehr Corona-Probleme durch afghanische Flüchtlinge

Eine neue Flüchtlingswelle aus dem Nachbarland Afghanistan könnte nach Ansicht des iranischen Gesundheitsministers die bereits akute Coronakrise im Land noch weiter verschärfen. "Die Unruhen in Afghanistan und die eventuelle Flucht der Afghanen in den Iran könnte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zu einer Gefahr werden", sagte Minister Said Namaki laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Es sei zu befürchten, dass die Flüchtlinge die Corona-Vorschriften nicht immer einhielten und somit die Zahl der Corona-Infektionen im Land noch weiter steigen könnten.

10.06 Uhr: Frankreich fliegt weitere 216 Menschen aus Afghanistan aus

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat Frankreich weitere 216 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Wie der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian erklärte, waren darunter 184 besonders schutzbedürftige Afghanen. Bei der Evakuierungsmission, die in der Nacht erfolgte, wurden demnach auch 25 französische Staatsangehörige außer Landes gebracht. Nach Angaben des Generalstabs sollen sie im Laufe des Tages in Frankreich eintreffen.

10.04 Uhr: Weitere Bundeswehrmaschine aus Usbekistan Richtung Kabul gestartet

Zur Evakuierung von Menschen aus Afghanistan ist am Morgen ein weiteres Flugzeug der Bundeswehr Richtung Kabul gestartet. Die Maschine vom Typ A400M sei in der usbekischen Hauptstadt Taschkent abgehoben, um weitere deutsche Staatsangehörige, Ortskräfte und weitere gefährdete Personen aus Kabul auszufliegen, teilte das Bundesverteidigungsministerium mit. 

9.55 Uhr: Bundeskabinett billigt Evakuierungseinsatz der Bundeswehr

Die Bundesregierung hat den Einsatz von bis zu 600 Bundeswehrsoldaten bei der Evakuierungsaktion im afghanischen Kabul beschlossen. Das Kabinett billigte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen den Entwurf für ein entsprechendes Bundestagsmandat. Darüber soll voraussichtlich in der kommenden Woche im Parlament abgestimmt werden.

PAID Interview afghanischer Journalist 1630

9.39 Uhr: Niederländer beschossen und mit Tränengas von Betreten des Flughafens abgehalten 

Niederländische Afghanen, die den ersten Evakuierungsflug der niederländischen Armee erreichen wollten, berichten, dass sie beim Versuch, den Airport zu betreten, beschossen worden seien. Laut der Zeitung "De Volkskrant" sollen sie zudem mit Tränengas davon abgehalten worden sein, den Flughafen zu betreten. Es sei unklar, ob sie gezielt beschossen worden seien oder ob es sich um Warnschüsse gehandelt habe. Bisher gebe es keine Berichte über Tote oder Verletzte durch den Vorfall. Die alarmierenden Nachrichten erreichten einen Politiker der Koalitionspartei CDA via Whatsapp. In einer Audionachricht seien deutlich Schüsse zu hören, heißt es. Rund 300 Niederländer und Afghanen sitzen derzeit in Kabul fest. Außenministerin Sigrid Kaag wurde aufgefordert, zusammen mit den USA schnellstens einen Evakuierungsplan zu entwickeln.

9.27 Uhr: Kritik an britischen Plänen zur Aufnahme afghanischer Flüchtlinge

Die britische Regierung ist mit ihrem Plan zur Aufnahme von 20.000 Menschen aus Afghanistan in den kommenden Jahren auch in der eigenen Partei in die Kritik geraten. Der konservative Abgeordnete Tobias Ellwood bezeichnete die Pläne in der Zeitung "Daily Mirror" als "elendig unangemessen". Zudem sei die geplante Aufnahme über einen zu langen Zeitraum gestreckt. Im ersten Jahr will Großbritannien im Rahmen des Programms bislang 5000 Menschen aufnehmen.

8.30 Uhr: Tod im Fahrwerk von US-Flieger: Chaos in Kabul wird untersucht

Die US-Luftwaffe hat eine Untersuchung zu dem tödlichen Chaos rund um den Abflug einer ihrer Maschinen am Flughafen in Kabul eingeleitet. Das teilte die US Air Force am Dienstag mit. Ein Flugzeug der US-Luftwaffe war am Montag vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt gestartet, umringt von Hunderten Zivilisten auf dem Rollfeld. Bilder der dramatischen Szene gingen um die Welt: Auf einem Video war zu sehen, wie Aberdutzende Menschen neben der rollenden US-Militärmaschine herliefen. Einige kletterten auf das Flugzeug und klammerten sich fest.

Die Luftwaffe teilte nun mit, nach der Landung der Maschine in Katar seien "menschliche Überreste" im Fahrwerkschacht entdeckt worden. Die Maschine bleibe vorerst zu weiteren Untersuchungen am Boden, hieß es weiter. Auch Videos und Beiträge aus sozialen Medien würden in die Nachforschungen einbezogen. 

5.05 Uhr: Drogenbeauftragte warnt nach Taliban-Machtübernahme vor Rauschgiftschwemme

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hat nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan vor einer starken Ausweitung des Angebots von Heroin und Crystal Meth in Europa gewarnt. "Der Drogenanbau war und ist eine der zentralen Einnahmequellen der Taliban", sagte Daniela Ludwig (CSU) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Wir müssen damit rechnen, dass die Taliban den Drogenanbau in Zukunft nicht zurückfahren, sondern weiter ausbauen."

4.03 Uhr: Umfrage: Knapp zwei Drittel haben Sorge vor Flüchtlingslage wie 2015

Eine große Mehrheit der Bürger befürchtet laut einer Umfrage, dass angesichts der Entwicklung in Afghanistan erneut sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Knapp zwei Drittel (62,9 Prozent) sorgen sich vor einer Situation wie 2015, ergab die repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey für die "Augsburger Allgemeine". Knapp ein Drittel (30 Prozent) sieht das anders. Der Rest ist unentschieden.

Heute wichtig Folge 81 0635

3.54 Uhr: Lufthansa-Maschine mit Evakuierten aus Kabul in Frankfurt gelandet

In Frankfurt ist am frühen Mittwochmorgen eine Lufthansa-Maschine mit rund 130 Evakuierten aus Kabul gelandet. Der Airbus 340 kam aus Taschkent. Am Dienstag hatte ein Transportflugzeug der Bundeswehr ihre Luftbrücke zur Rettung von Deutschen und Afghanen begonnen und die Menschen in die usbekische Hauptstadt geflogen.

3.15 Uhr: US-Militär fliegt mehr als 3200 Menschen aus Afghanistan aus

Das US-Militär hat bislang mehr als 3200 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Allein am Dienstag seien mit 13 Flügen rund 1100 Menschen in Sicherheit gebracht worden, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses, der anonym bleiben wollte. Die US-Luftwaffe kündigte eine Untersuchung der chaotischen Ereignisse am Flughafen von Kabul vom Montag an. 

2 Uhr: Kramp-Karrenbauer will Auslandseinsätze der Bundeswehr überprüfen

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer will als Konsequenz aus dem Afghanistan-Einsatz die Auslandseinsätze der Bundeswehr überprüfen. "Wir müssen aus diesem Einsatz unsere Lehren ziehen. Deshalb werden wir die anderen Auslandseinsätze der Bundeswehr dahingehend überprüfen, ob wir gut aufgestellt sind und was wir möglicherweise besser machen müssen", sagte die CDU-Politikerin der "Rheinischen Post".

Die Ministerin sprach angesichts der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban von "bitteren Bildern". Sie rate daher, den Einsatz in Afghanistan genau zu analysieren. "Wir sollten dabei auch anerkennen, was die Bundeswehr in den letzten 20 Jahren geleistet hat", betonte Kramp-Karrenbauer.

PAID Wer sind die neuen Taliban? 0640

1.30 Uhr: Österreich will keine weiteren Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen

Österreichs Regierung sieht die Lage in Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban nicht als Grund dafür, weitere Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. "Illegale Migration, die durch ein Dutzend sichere Länder verläuft, und wo sich Migranten ein Zielland einfach aussuchen, muss gestoppt werden", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) der "Welt" vor Beratungen der EU-Innenminister. "Es gibt keinen Grund warum ein Afghane jetzt nach Österreich kommen sollte." Gefragt seien vielmehr die Nachbarländer Afghanistans, um Schutz und Hilfe in der Region sicherzustellen.

1 Uhr: UNHCR will in Afghanistan bleiben - Mehr humanitäre Hilfe gefordert

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) will Afghanistan trotz der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban nicht verlassen. "Wir wollen im Land bleiben, weil die Menschen dort jetzt mehr denn je Hilfe brauchen", sagte die UNHCR-Vertreterin in Deutschland, Katharina Lumpp, der "Welt". Gemeinsam mit anderen humanitären Organisationen wolle man - "im Einklang mit humanitären Grundsätzen der Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit" - weiter humanitäre Hilfe leisten.

0.18 Uhr: Bundeswehr fliegt weitere 139 Menschen aus Kabul aus

Die Bundeswehr hat am Dienstagabend weitere 139 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. An Bord des dritten Evakuierungsflugs befanden sich "deutsche, andere europäische und afghanische Staatsbürger", wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte. Die Maschine vom Typ A400M fliege zunächst nach Usbekistan. Von dort sollen die Menschen mit der Lufthansa am Mittwoch weiter nach Deutschland gebracht werden.

STERN PAID 34_21 Die Kapitulation von Kabul 19.30

Nachrichten von Dienstag, 17. August:

23.30 Uhr: USA: Videoschalte wegen Afghanistan mit G7-Partnern kommende Woche

Wegen der aktuellen Lage in Afghanistan wollen die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten nach Angaben von US-Präsident Joe Biden in einer Videokonferenz beraten. Die Schalte in der kommenden Woche hätten Biden und Großbritanniens Premier Boris Johnson in einem Telefonat vereinbart, teilte das Weiße Haus mit.

22.24 Uhr: Rund 130 Evakuierte aus Kabul auf dem Weg nach Deutschland

Die erste Lufthansa-Maschine mit Evakuierten aus Afghanistan an Bord ist vom Bundeswehr-Drehkreuz im usbekischen Taschkent Richtung Frankfurt am Main gestartet. Nach DPA-Informationen sind rund 130 Menschen an Bord.

22.22 Uhr: USA erwägen diplomatische Präsenz in Kabul auch nach Abschluss von Truppenabzug

Die USA erwägen eine diplomatische Präsenz in der afghanischen Hauptstadt Kabul auch nach dem Abschluss des Truppenabzugs aus dem Land. "Wenn es sicher und verantwortungsvoll ist, potenziell länger zu bleiben, dann können wir uns das womöglich anschauen", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price. Die USA hatten angesichts des Einmarschs der radikalislamischen Taliban in Kabul ihre Botschaft evakuiert. Ein Diplomatenteam befindet sich seitdem am von US-Soldaten gesicherten Flughafen der afghanischen Hauptstadt.

22.07 Uhr: Dritte Evakuierungsmaschine mit 139 Menschen in Kabul gestartet

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist eine dritte Maschine zur Evakuierung von Deutschen und Ortskräften gestartet. An Bord seien 139 Menschen, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) im "heute journal" des ZDF mit. Eine weitere Maschine stehe bereit.

21.07 Uhr: USA: Waffen des afghanischen Militärs teils in Händen der Taliban

Waffen und andere Ausrüstung der afghanischen Sicherheitskräfte sind nach US-Angaben nun zum Teil in den Händen der Taliban. Es gebe zwar keine genaue Liste dazu, wo sich nun alle militärischen Gegenstände befänden, aber ein "ordentlicher Anteil" davon sei an die Taliban gefallen, sagte US-Präsident Joe Bidens nationaler Sicherheitsberater, Jake Sullivan. "Und wir haben natürlich nicht den Eindruck, dass sie diese bereitwillig am Flughafen an uns übergeben werden", sagte Sullivan. Das afghanische Militär gebe es nicht mehr als zusammenhängende Organisation, sagte er im Weißen Haus. Die Sicherheitskräfte hätten das Gewaltmonopol in den größeren Städten an die Taliban abgegeben, sagte Sullivan.

20.03 Uhr: Bundesregierung will mit Taliban über Ortskräfte sprechen

Die Bundesregierung will mit den militant-islamistischen Taliban über die Evakuierung der afghanischen Helfer von Bundeswehr und Bundesministerien sprechen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte in Berlin, dass Botschafter Markus Potzel am Dienstag nach Doha ins Golfemirat Katar geschickt worden sei. Maas verwies darauf, dass auch die Amerikaner bereits mit den Taliban über die Evakuierung ehemaliger und derzeitiger afghanischer Mitarbeiter reden würden. Potzel werde in seinen Gesprächen in Doha darauf hinwirken, "dass die Möglichkeit geschaffen wird, dass sich auch Ortskräfte an den Flughafen begeben können".

Die Taliban haben Kontrollpunkte in der Nähe des Flughafens errichtet und lassen nach Angaben des Außenministers nur Ausländer durch. Nach seinen Angaben halten sich derzeit 180 Menschen am Flughafen auf, die mit Bundeswehrmaschinen ausgeflogen werden sollen. 

Potzel ist bereits vor längerer Zeit als neuer Botschafter in Kabul benannt worden und sollte ursprünglich im August dorthin geschickt werden – dann begann der Vormarsch der Taliban. Die Botschaft in Kabul ist derzeit geschlossen und der größte Teil der Mitarbeiter ausgeflogen worden. Ein kleines Kernteam ist noch an dem von US-Truppen abgesicherten Flughafen tätig.

19.36 Uhr: Türkei und Russland begrüßen "positive Signale" der Taliban

Russland und die Türkei haben die "positiven Signale" der Taliban an die internationale Gemeinschaft begrüßt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hob die "positiven Botschaften, die die Taliban an Ausländer, diplomatische Vertretungen und ihre eigene Bevölkerung richten", hervor. Er hoffe, dass diesen entsprechende Taten folgen würden. Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach von "hoffnungsvollen Signalen". Lawrow sagte in Kaliningrad, es sei ein "positives Signal", dass die Taliban in Wort und Tat zeigen würden, dass sie die "Meinung anderer respektieren". Er forderte eine "allumfassende Regierung" in Kabul: Moskau unterstütze die Einleitung eines "nationalen Dialogs unter Beteiligung aller politischen, ethnischen und religiösen Kräfte", sagte Lawrow. Außenminister Heiko Maas sagte am Abend in Berlin, die Taliban seien an ihren Taten zu messen. Verprechungen seien leicht gemacht. "Was man davon zu halten hat, wird man sehen", so Maas.

19.30 Uhr: Afghanische Soldaten helfen bei Sicherung des Flughafens

Etwa 500 bis 600 afghanische Soldaten helfen US-Angaben zufolge weiterhin bei der Sicherung des Flughafens in Kabul. Sie unterstützen die US-Soldaten und andere internationale Truppen bei ihrem Einsatz, wie ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums sagte. Sprecher John Kirby erklärte auf Nachfrage, es stehe den afghanischen Soldaten frei, sich ähnlich wie frühere örtliche Mitarbeiter der US-Streitkräfte für ein US-Visum zu bewerben, falls sie dies wünschten. Bis zum Abend wollen die USA 4000 Soldaten am Airport der afghanischen Hauptstadt stationiert haben; das Kontingent soll im Laufe der Woche auf 6000 aufgestockt werden. Rund 600 Bundeswehr-Soldaten sind laut Bundesregierung bereits an der Sicherung des Flughafens beteiligt.

19.28 Uhr: Tausende Demonstranten fordern unbürokratische Rettung

Tausende Demonstranten haben bei Protesten in mehreren deutschen Städten eine schnelle und unbürokratische Evakuierung bedrohter Menschen aus Afghanistan gefordert. Die größte Demonstration gab es nach Angaben der Veranstalter in Berlin. "Luftbrücke jetzt" und "Wir haben Platz" war vor dem Reichstagsgebäude, dem Sitz des Bundestags, auf Transparenten und Schildern zu lesen. Nach Angaben der Polizei kamen am Nachmittag mit 2100 Teilnehmern deutlich mehr Menschen als erwartet, angemeldet waren 500. Abschließende Zahlen lagen zunächst noch nicht vor. Ein breites Bündnis, zu dem die Initiative "Seebrücke" gehört, hatte in acht Städten in Deutschland zu Protesten aufgerufen. In Köln kamen laut Veranstaltern etwa 1000 Menschen, ebenfalls deutlich mehr als erwartet.

19.28 Uhr: Archäologen in Afganistan in "äußerster Gefahr"

Mit Deutschland verbundene Archäologen in Afghanistan sind nach Einschätzung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und zahlreicher Archäologie-Verbände "in äußerster Gefahr". In einem gemeinsamen Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) setzen sich sieben Kultur-Organisationen ein für "unsere Kollegen in Afghanistan, die sich jahrelang mit Ihrer Unterstützung um den Erhalt des Kulturerbes Afghanistans bemüht haben". Erinnert wurde an die Sprengung der großen Buddha-Statuen im Jahre 2001 in Bamiyan. "Damals wurde der Hass der Taliban auf alle vorislamischen Altertümer offenbar, aber auch auf diejenigen, die sich solcher Monumente und Orte annehmen", heißt es in dem Brief an Merkel und Maas. "Einige unter ihnen haben schon Drohbriefe erhalten." Auch ihre Familien seien bedroht.

19.12 Uhr: EU-Außenbeauftragter Borrell: Müssen mit Taliban reden

Die EU wird nach Einschätzung ihres Außenbeauftragten Josep Borrell einen Dialog mit den neuen Machthabern in Afghanistan aufnehmen müssen. "Die Taliban haben den Krieg gewonnen, also werden wir mit ihnen reden müssen", sagte er am Abend nach einer Videokonferenz der EU-Außenminister. Ziel soll es demnach sein, eine mögliche neue Migrationskatastrophe und eine humanitäre Krise zu verhindern. Um die Frage einer offiziellen Anerkennung der Taliban geht es laut Borrell nicht.

18.52 Uhr: Laut Maas Suche nach Lösungen für Ortskräfte

Nachdem die ersten deutschen Staatsbürger und Schutzbedürftige aus Afghanistan ausgeflogen werden konnten, läuft nun die Suche nach Lösungen für die Ortskräfte, die die Bundeswehr in den Jahren des Einsatzes in dem Land unterstützt haben. Das sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) in einem Statement am Abend in Berlin. Gemeinsam mit den USA würden Verhandlungen angestrebt, die eine Ausreise der Ortskräfte, die nach der Machtübernahme der Taliban um ihr Leben fürchten müssen, ermöglichen sollen. Der deutsche Botschafter in Afghanistan sei in diese Verhandlungen eingebunden. Unklar sei zur Stunde allerdings, wie die fraglichen Personen den Kabuler Flughafen erreichen können. Die Taliban hätten, so Maas, Kontrollpunkte eingerichtet und ließen nur Ausländer in Richtung Flughafen durch, nicht aber die Helfer der Bundeswehr und der US-Streitkräfte.

18.44 Uhr: Maas: "Stabile Schleuse" für Evakuierungsflüge auf Airport in Kabul eingerichtet

Nach Aussage von Außenminister Heiko Maas (SPD) vom Abend ist es Bundeswehrsoldaten zusammen mit US-Streitkräften gelungen, eine "satbile Schleuse" am Flughafen Kabul einzurichten und aufrecht zu erhalten. 120 Personen seien mit dem ersten Flug ausgeflogen worden, 180 weitere Menschen befänden sich auf dem Airport und könnten ebenfalls in einer Maschine Kabul verlassen. Maas zeigte sich "zuversichtlich", dass deutsche Staatsbürger und andere Schutzbedürftige ausgeflogen werden können. Es gelte die nun eingerichtete "Luftbrücke so lange wie möglich aufrecht zu erhalten", ergänzte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Es handele sich um "einen komplexen und gefährlichen" Einsatz entsprechend ausgebildeter "robuster Kräfte" der Bundeswehr. Es gelte, für ein Gelingen des Einsatzes "die Daumen zu drücken",

18.18 Uhr: Taliban verkünden Kriegsende und allgemeine Amnestie

Zwei Tage nach ihrem Einmarsch in der afghanischen Hauptstadt Kabul haben die radikalislamischen Taliban das Ende des Krieges und eine allgemeine Amnestie verkündet. "Der Krieg ist zuende", und "jeder" sei begnadigt, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. In der ersten Pressekonferenz seit der faktischen Machtübernahme schlug er versöhnliche Töne an. Die Taliban hätten keine Feindseligkeiten mit irgendjemandem, sagte der langjährige Sprecher der Islamisten, Sabiullah Mudschahid, in Kabul. Er versichere seinen Landsleuten, auch jenen, die in Opposition zu den Islamisten gestanden hätten, dass eine allgemeine Amnestie gelte. Sie gelte auch für ehemalige Übersetzer von ausländischen Streitkräften. Man habe auch alle Soldaten begnadigt, die in den vergangenen Jahren gegen sie gekämpft hätten, sagte Mudschadhid weiter. Auf eine Frage nach dem Tod vieler unschuldiger Zivilisten sagte er, das sei ohne Absicht passiert. Mudschahid versicherte zudem, dass die Sicherheit von Botschaften und der Stadt Kabul gewährleistet sei. Die Taliban setzten sich auch für die Rechte von Frauen im Rahmen der islamischen Scharia ein, so der Sprecher weiter. Frauen könnten in den Bereichen Gesundheit, Bildung und anderen Bereichen tätig sein. Auch Medien sollten sich keine Sorgen machen, solange sie unparteiisch blieben und Inhalte nicht islamischen Werten entgegenstünden. Mudschahid versprach zudem die Einbeziehung auch anderer Kräfte in eine neue Regierung. "Wenn die Regierung gebildet wird, werden alle einen Anteil haben", sagte er.

18.10 Uhr: Erste Evakuierte aus Kabul zurück in Deutschland

Die ersten Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul sind nach ihrer Evakuierung aus Afghanistan zurück in Deutschland. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur landeten sie am Dienstagnachmittag mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Flughafen Schönefeld. In der Nacht zu Montag waren sie unter den ersten 40 deutschen Staatsbürgern, die mit einem US-Flugzeug nach Doha im Golfemirat Katar ausgeflogen worden waren. Wieviele genau von ihnen mit der Linienmaschine in Schönefeld ankamen, war zunächst unklar.

17.20 Uhr: Stoltenberg: Keine Truppen mehr unter Nato-Kommando in Afghanistan

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat öffentlich bestätigt, dass es in Afghanistan keine Truppen mehr unter Nato-Kommando gibt. Man sei bei Null, sagte er bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Weiterhin im Land sind nach Angaben von Stoltenberg noch zivile Mitarbeiter des Bündnisses. "Die Nato arbeitet rund um die Uhr an der Aufrechterhaltung des Betriebs des internationalen Flughafens", sagte er. Rund 800 zivile Nato-Mitarbeiter hätten unter sehr schwierigen Umständen wichtige Funktionen übernommen. Dazu gehörten Aufgaben bei der Flugsicherung, Treibstoffversorgung und Kommunikation.

"Schwerpunkt der Nato ist es jetzt, die sichere Abreise des Personals zu gewährleisten", sagte Stoltenberg. Dazu gehörten das Personal aus Bündnis- und Partnerländern, aber auch Afghanen, die der Nato geholfen hätten. Der Betrieb des Flughafens werde derzeit schrittweise wieder aufgenommen, sagte Stoltenberg.Fotostrecke: Als Kabul in die Hände der Taliban fiel 1205

17.14 Uhr: Taliban-Vizechef Mullah Baradar in Kandahar gelandet

Nach der faktischen Machtübernahme der Taliban ist mit Mullah Abdul Ghani Baradar der bislang höchstrangigste Vertreter der militanten Islamisten offiziell in Afghanistan eingetroffen. Eine Delegation unter der Leitung von Mullah Baradar sei am Nachmittag (Ortszeit) am Flughafen Kandahar gelandet, teilte ein Sprecher der Taliban auf Twitter mit. Mullah Baradar ist Vize-Chef der Bewegung und Leiter des politischen Büros der Taliban in Doha.

Baradar hatte im Februar 2020 für die militante Organisation das Abkommen mit den USA unter anderem über ein Ende des US-geführten Militäreinsatzes in Afghanistan unterzeichnet. Der nach Interpol-Angaben 1968 geborene Baradar sprach mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und traf mehrmals Außenminister Mike Pompeo. Es ist unklar, wo sich der Taliban-Führer Haibatullah Achundsada und seine zwei weiteren Stellvertreter Mullah Jakub und Siradschuddin Hakkani befinden. Die afghanische Regierung warf Pakistan in der Vergangenheit immer vor, dass die Taliban-Führung in Pakistan lebe, was Islamabad abstritt.

Die Taliban führen derzeit Gespräche, wie ihre Regierung aussehen wird, welchen Namen und Struktur sie haben soll und wer sie führen wird. Baradar soll Geheimdienstkreisen zufolge eine Posten ähnlich einem Ministerpräsidenten erhalten ("Sadar-e Asam") und allen Ministern vorstehen. Es liefen zudem Gespräche, andere afghanische Politiker wie den Ex-Präsidenten Hamid Karsai einzubeziehen.

16.49 Uhr: Merkel vereinbart mit anderen Ländern Zusammenarbeit bei Evakuierung

Kanzlerin Angela Merkel hat bei der Evakuierung von Staatsbürgern und Ortskräften aus Afghanistan eine enge Zusammenarbeit mit anderen europäischen Ländern vereinbart. Merkel habe sich mit den Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und Italien, Emmanuel Macron, Boris Johnson und Mario Draghi, ausgetauscht, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Zudem habe sie mit UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi gesprochen.

In allen Gesprächen habe Merkel das Statement des UN-Sicherheitsrats unterstützt, das ein Ende der Gewalt in Afghanistan fordert. Weitere Gespräche mit Staats- und Regierungschefs, auch aus der Region rund um Afghanistan, seien geplant.

16.43 Uhr: Lufthansa fliegt Afghanistan-Flüchtlinge weiter nach Frankfurt

Nach den ersten Evakuierungen aus Kabul übernimmt die Lufthansa den weiteren Transport der Menschen nach Deutschland. Bereits in der Nacht zum Mittwoch werde eine erste Maschine aus dem usbekischen Taschkent in Frankfurt erwartet, sagte ein Lufthansa-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Lufthansa werde in Absprache mit der Bundesregierung auch Evakuierungsflüge aus Doha in Katar anbieten. Für die nächsten Tage sei eine noch unbekannte Zahl von Flügen geplant.

15.52 Uhr: Bush mahnt rasche Evakuierungen in Afghanistan an

Der frühere US-Präsident George W. Bush hat sich erschüttert von der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan gezeigt und angemahnt, bedrohte Afghanen rasch außer Landes zu bringen. Er und seine Ehefrau Laura hätten die "tragischen Ereignisse" in Afghanistan mit "großer Trauer" verfolgt, erklärte Bush, der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 den US-Einmarsch in Afghanistan angeordnet hatte. Die am meisten bedrohten Afghanen seien jetzt jene, "die beim Fortschritt in ihrem Land an vorderster Front standen", erklärte Bush. Die USA hätten die "Verpflichtung", die betroffenen Afghanen jetzt "ohne bürokratische Verzögerungen" aus dem Land zu bringen.

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15.40 Uhr: Stoltenberg: Nato muss Lehren aus Ereignissen in Afghanistan ziehen

Die Nato wird nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg Lehren aus den jüngsten Ereignissen in Afghanistan ziehen müssen. Die Frage sei, warum die afghanischen Streitkräfte, die man über so viele Jahre hinweg ausgebildet, ausgerüstet und unterstützt habe, nicht in der Lage gewesen seien, den Taliban stärker Widerstand zu leisten, sagte er bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Man sei sich bei der Abzugsentscheidung bewusst gewesen, dass es das Risiko einer Machtübernahme durch die Taliban gebe. Die Geschwindigkeit sei aber eine Überraschung gewesen. "Es müssen Lehren gezogen werden", sagte Stoltenberg.

15.38 Uhr: Merkel setzt bei Fluchtbewegung aus Afghanistan auf Nachbarländer

Nach der Machtübernahme der Taliban setzt Kanzlerin Angela Merkel im Fall einer größeren Fluchtbewegung zunächst einmal auf eine Unterbringung in den Nachbarstaaten Afghanistans. "Bevor man über Kontingente spricht, muss man erst mal über sichere Möglichkeiten für Flüchtlinge in der Nachbarschaft von Afghanistan reden", sagte die CDU-Politikerin in Berlin. Dies werde sie noch am selben Tag mit UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi besprechen. "Dann kann man in einem zweiten Schritt darüber nachdenken, ob besonders betroffene Personen kontrolliert und auch unterstützt nach Europa und in die europäischen Länder kommen."

15.31 Uhr: Russland fordert von Taliban "allumfassende Regierung"

Russland hat die bisherigen Zusicherungen der Taliban nach deren Machtübernahme in Afghanistan als ein "positives Signal" gewertet. Russland sehe "hoffnungsvolle Signale von Seiten der Taliban", dass sie bereit seien, andere politische Kräfte an einer Regierung zu beteiligen, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Kaliningrad. Er forderte eine "allumfassende Regierung" in Kabul: Moskau unterstütze die Einleitung eines "nationalen Dialogs" "unter Beteiligung aller politischen, ethnischen und religiösen Kräfte".

China beginnt freundliche Bande zu Afghanistan zu knüpfen 1400

15.26 Uhr: Maas: Bundeswehr fliegt mehr als 120 Menschen aus Kabul aus

Mehr als 120 Menschen sind am Dienstagnachmittag mit einem Transportflugzeug der Bundeswehr aus Kabul ausgeflogen worden. "Die Luftbrücke ist angelaufen und wird intensiv fortgesetzt, sofern die Sicherheitslage das irgendwie zulässt", teilte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) dazu weiter auf Twitter mit. An Bord der Maschine seien sowohl deutsche wie auch afghanische Staatsbürgerinnen und -bürger und Menschen aus anderen Ländern.

15.17 Uhr: Merkel: Deutschland will möglichst viele Menschen aus Kabul retten

Trotz der schwierigen Lage am Flughafen in Kabul will die Bundesregierung noch möglichst viele besonders gefährdete Menschen aus Afghanistan retten. "Deutschland möchte noch sehr vielen Menschen helfen, die uns geholfen haben", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Treffen mit der estnischen Ministerpräsidentin Kaja Kallas in Berlin. "Für uns ist es ganz wichtig, alles zu tun, um noch möglichst viele Menschen außer Landes zu bringen." 

Die Landung einer zweiten Bundeswehrmaschine zur Evakuierung von deutschen Staatsangehörigen, afghanischen Ortskräften und anderen Menschen am Dienstag in Kabul bezeichnete Merkel als "gute Nachricht".

15.13 Uhr: Baerbock wirft Bundesregierung in Afghanistan-Krise Versagen vor

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wirft der Bundesregierung in der Afghanistan-Krise Versagen vor. Es sei "wirklich fatal, dass die Bundesregierung in den letzten Wochen komplett die Augen vor dieser Notsituation verschlossen hat", sagte Baerbock im Radio-Interview der Sendergruppe Oberfranken. Es habe in den vergangenen Wochen immer wieder Berichte über die Lage in Afghanistan gegeben, auch die Botschaft habe gewarnt, Menschen in Sicherheit zu bringen. "Da kann man sich als Bundesregierung jetzt nicht hinstellen und sagen: Wir haben das nicht gesehen", sagte die Grünen-Chefin.

15.06 Uhr: Vereinte Nationen fordern Verzicht auf Abschiebungen von Afghanen

Die UNO haben angesichts der Machtübernahme der radikalislamischen Islam einen allgemeinen Verzicht auf die Abschiebung von Afghanen in ihr Heimatland gefordert. Diese Forderung gelte auch für Asylbewerber, deren Anträge abgewiesen wurden, stellte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR klar. Angesichts der "raschen Verschlechterung" der Sicherheits- und Menschenrechtslage in großen Teilen Afghanistans müssten die Rückführungen auch für solche Menschen ausgesetzt werden, die sich zuvor nicht auf "internationalen Schutz" verlassen hätten, sagte UNHCR-Sprecherin Shabia Mantoo in Genf. 

14.55 Uhr: Zweite Bundeswehrmaschine für Evakuierung hat Kabul wieder verlassen

Die zweite Bundeswehrmaschine für die Evakuierungsaktion in Afghanistan ist auf dem Flughafen in Kabul gelandet. Das sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin. Nach Informationen aus Militärkreisen startete die Maschine kurze Zeit später und machte sich auf den Weg nach Taschkent in Usbekistan. 

Der Transportflieger vom Typ A400M war zuvor fünf Stunden lang über dem Flughafen Kabul gekreist, der wegen chaotischer Zustände auf dem Rollfeld gesperrt war. Das Benzin hätte nicht mehr lange gereicht. Die Bundesregierung will die Evakuierungsaktion nun mit Hochdruck fortsetzen. Die beiden A400M sollen zwischen Kabul und Taschkent pendeln.

7 Personen aus Afghanistan gerettet 1425

14.34 Uhr: Müller fordert Bundeskoordination bei Aufnahme von Afghanistan-Flüchtlingen

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan das Fehlen einer bundesweiten Koordinierung zur Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Land bemängelt. Er nehme "mit Erstaunen zur Kenntnis", dass es offenbar noch keine Initiative auf Bundesebene gebe, bundesweit zu einer entsprechenden Koordination zu kommen, sagte Müller nach der Sitzung des Berliner Senats. Es gehe unter anderem um Unterbringungsmöglichkeiten, Fragen der Gesundheitsversorgung und Bildungsangebote. All das sei im Vorfeld zu organisieren.

14.25 Uhr: Bartsch legt Merkel Entlassung von Maas und Kramp-Karrenbauer nahe

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahegelegt, sich von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zu trennen. "In früheren Zeiten wurden Kabinette umgebildet und Ministerinnen und Minister bei Verfehlungen entlassen", sagte der Linke-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl der "Rheinischen Post".

In Merkels Regierungszeit habe sich aber eine "Unkultur der politischen Verantwortungslosigkeit eingeschlichen", die dem Ansehen der Politik insgesamt schade. "Dass zigtausende Menschen in Afghanistan, auch aufgrund der Behäbigkeit der Bundesregierung, um ihr Leben bangen, und der Außenminister und die Verteidigungsministerin offenbar gelassen im Amt weitermachen, ist Ausdruck dieser verantwortungslosen Praxis", urteilte Bartsch.

STERN PAID 34_21 Afghanistan Die Ohnmacht nach dem Chaos 1420

13.29 Uhr: Zweite Bundeswehr-Maschine in Kabul gelandet

Mit der Landung eines zweiten Transportflugzeugs auf dem Flughafen von Kabul hat die Bundeswehr ihre Evakuierungsmission in Afghanistan fortgesetzt. "Wir nehmen alles mit, was vom Platz her in unsere Flugzeuge passt", sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin. Dies betreffe deutsche Staatsbürger, gefährdete Afghanen und Staatsbürger verbündeter Nationen.

13.00 Uhr: UNHCR fordert offene Grenzen für afghanische Flüchtlinge

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat alle Länder aufgefordert, Flüchtende aus Afghanistan hereinzulassen und niemanden mehr dorthin abzuschieben. UNCHR-Sprecherin Shabia Mantoo begründete dies am Dienstag in Genf mit der sich verschlechternden Sicherheitslage, der Menschenrechtssituation und der humanitären Krise in Afghanistan, wo die militant-islamistischen Taliban faktisch die Macht übernommen haben. "Staaten haben die rechtliche und moralische Verantwortung, den aus Afghanistan Fliehenden Schutz zu gewähren und Flüchtende nicht zwangsweise zurückzuschicken", sagte sie.

Das Nachbarland Usbekistan gab bekannt, dass es Fluchtbewegungen verhindern wolle. Auch Griechenland kündigte an, einen möglichen Zustrom stoppen zu wollen.

12.56 Uhr: Vizekanzler – Afghanistan muss für Regierung Priorität haben

Die Evakuierung aus Afghanistan muss nach Ansicht von SPD-Vizekanzler Olaf Scholz für die Bundesregierung derzeit die wichtigste Aufgabe sein. "Das, was wir jetzt machen müssen, ist, unsere Aufgabe erledigen. Und die ist sehr, sehr schwer und sehr, sehr ernst", sagte der SPD-Kanzlerkandidat bei einem Wahlkampftermin in Senftenberg auf die Frage, ob er weiter hinter Außenminister Heiko Maas (SPD) stehe. "Das ist auch meiner Sicht ganz, ganz wichtig und hat auch Priorität vor allem anderen", sagte Scholz. 

12.12 Uhr: Bundesregierung setzt Entwicklungshilfe für Afghanistan aus

Nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hat die Bundesregierung die staatliche Entwicklungshilfe für das Land ausgesetzt. Das sagte Entwicklungsminister Gerd Müller der Deutschen Presse-Agentur und der "Rheinischen Post". Alle deutschen und internationalen Mitarbeiter der für die staatliche Entwicklungshilfe zuständigen Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hätten sicher das Land verlassen.

"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Ortskräfte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und mit uns kooperierender Hilfsorganisationen, die dies wollen, sicher aus Afghanistan zu bringen", ergänzte Müller. Afghanistan war bisher die Nummer eins unter den Empfängerländern deutscher Entwicklungshilfe. Für dieses Jahr waren 250 Millionen Euro veranschlagt. Davon ist aber noch kein Euro ausgezahlt worden. Daneben flossen bisher Gelder aus anderen Ressorts an Afghanistan, zum Beispiel für humanitäre Hilfe oder Polizeiausbildung. Insgesamt hatte Deutschland für dieses Jahr 430 Millionen Euro zugesagt.

11.37 Uhr: Steinmeier: Deutschland trägt Mitverantwortung für "Tragödie"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Deutschland Mitverantwortung für die dramatische Lage in Afghanistan unterstrichen. "Wir erleben in diesen Tagen eine menschliche Tragödie, für die wir Mitverantwortung tragen, und eine politische Zäsur, die uns erschüttert und die Welt verändern wird", sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin. "Die Bilder der Verzweiflung am Flughafen Kabul sind beschämend für den politischen Westen."

Am Flughafen der afghanischen Hauptstadt halten sich zahlreiche Menschen auf, die aus Angst vor den seit dem Wochenende herrschenden radikalislamischen Taliban dringend das Land verlassen wollen. Immer wieder gibt es Bilder von Menschen, die sich an Fluggastbrücken oder sogar an die Militärmaschinen klammern in der Hoffnung, irgendwie mitfliegen zu können.

"Die dramatischen Bilder aus Kabul und die Ereignisse in Afghanistan lassen niemanden unberührt", sagte Steinmeier. "Ich bin mir sicher: Bürgerinnen und Bürger im ganzen Land denken in diesen Stunden an Afghanistan und an das afghanische Volk."

11.26 Uhr: Türkei begrüßt "positive Botschaften" der Taliban

Nach der Machtergreifung der Taliban in Afghanistan hat die Türkei die "positiven Botschaften" der Islamisten an die internationale Gemeinschaft begrüßt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hob am Dienstag bei einer TV-Ansprache die "positiven Botschaften, die die Taliban an Ausländer, diplomatische Vertretungen und ihre eigene Bevölkerung richten", hervor. Er hoffe, denselben Ansatz bei den Handlungen der Taliban feststellen zu können, sagte Cavusoglu.

Die Türkei war in den vergangenen Monaten immer wieder zu Gesprächen mit den Taliban-Führern zusammengekommen. Dabei ging es unter anderem um das Angebot Ankaras, den Flughafen von Kabul nach dem Abzug der US-Truppen zu schützen.

11.22 Uhr: Frankreich fliegt 45 Menschen aus aus

Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hat Frankreich 45 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Ein Airbus unter anderem mit Franzosen und afghanischen Ortskräften werde am Dienstagnachmittag auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle erwartet, teilte das französische Verteidigungsministerium mit. Sie waren zuvor auf der französischen Militärbasis Al Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten zwischengelandet.

Verteidigungsministerin Florence Parly sagte dem Radiosender RTL, "nach einer sehr chaotischen Lage" am Flughafen Kabul habe die französische Militär-Transportmaschine in der Nacht Richtung Golfregion starten können. Französische Eliteeinheiten hätten den Abflug gesichert. Über die Luftbrücke sollen nach ihren Worten in den kommenden Tagen noch weitere Menschen ausgeflogen werden. Präsident Emmanuel Macron hatte am Montagabend in einer Fernsehansprache angekündigt, Dutzende Franzosen sowie afghanische Helfer würden ausgeflogen.

11.08 Uhr: Taliban-Vize: Kein Kämpfer darf Häuser in Kabul betreten

Der Vizechef der militant-islamistischen Taliban hat seine Kämpfer angewiesen, keine Privathäuser in der afghanischen Hauptstadt Kabul zu betreten. Unter keinen Umständen sollte irgendjemand in die Häuser von Menschen gehen oder ihre Fahrzeuge mitnehmen, hieß es in einer vom lokalen TV-Sender ToloNews veröffentlichten Audionachricht, die dem Taliban-Vizechef Mullah Jakub zugeschrieben wurde. Sollte dies ein Beamter oder eine Einzelperson tun, sei das ein "Verrat am System" und man ziehe sie zur Rechenschaft.

Hintergrund der Botschaft ist offensichtlich, dass sich seit der faktischen Machtübernahme der Taliban in Kabul Berichte mehrten, dass Taliban-Kämpfer sich Zutritt zu Wohnhäusern verschafften und Autos mitnahmen. Gleichzeitig sagten mehrere Bewohner Kabuls auch, dass einfache Kriminelle die Ankunft der Taliban ausnutzten und wohl vorgaben, Taliban zu sein.

10.48 Uhr: Usbekistan will Fluchtbewegung aus Afghanistan verhindern

Nach der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan will das Nachbarland Usbekistan Fluchtbewegungen in das eigene Staatsgebiet verhindern. Jeder Versuch, die Grenze zu verletzen, werde gemäß usbekischem Recht strikt unterbunden, teilte das Außenministerium am Dienstag in der Hauptstadt Taschkent mit. Die Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien stehe in Fragen des Grenzschutzes und zur Lage an der Grenze eng in Kontakt mit den militant-islamistischen Taliban.

Am vergangenen Wochenende hatten nach usbekischen Angaben 22 Militärflugzeuge und 24 Hubschrauber mit zusammen 585 afghanischen Soldaten das Land erreicht. 84 afghanische Soldaten waren außerdem auf dem Landweg in die Ex-Sowjetrepublik geflohen. Darüber hinaus hatten 158 Zivilisten laut Staatsanwaltschaft illegal die Grenze überquert. Ein afghanisches Militärflugzeug wurde abgeschossen.

10.22 Uhr: Hilfsorganisationen fordern unbürokratische Aufnahme

Angesichts der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan haben die Hilfsorganisation Brot für die Welt und die Diakonie Katastrophenhilfe eine unbürokratische Aufnahme von besonders gefährdeten Menschen gefordert. Viele Afghanen, die sich in den vergangenen Jahren "für den Aufbau von Demokratie, Menschenrechten und einer kritischen Zivilgesellschaft stark gemacht haben", seien "in akuter Lebensgefahr", erklärte die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, am Dienstag. 

Sie forderte "großzügige Schutzkontingente und die sofortige Evakuierung dieser besonders gefährdeten Personengruppen". Schon vor der Machtübernahme durch die Islamisten seien die Lebensumstände vieler Menschen in Afghanistan verzweifelt gewesen. Elf Millionen Menschen litten demnach unter Hunger, mindestens 390.000 Menschen wurden seit Jahresbeginn vertrieben.Fotostrecke: Als Kabul in die Hände der Taliban fiel 1205

10.05 Uhr: Dänemark stockt Entwicklungshilfe für Afghanistan auf

Dänemark spendet dem Internationalen Roten Kreuz und UN-Organisationen 100 Millionen dänische Kronen (13,4 Mio Euro), um die humanitäre Krise in Afghanistan zu lindern. Entwicklungshilfeminister Flemming Møller Mortensen sagte der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau am Dienstag: "In Afghanistan herrscht seit langem Not, und die Hilfe geht an die Menschen, nicht an Regime oder politische Führer."

Das Geld soll dem Plan zufolge zwischen dem Humanitären Fonds der Vereinten Nationen und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) aufgeteilt werden. Sie erhalten jeweils 35 Millionen Kronen. Die restlichen 30 Millionen Kronen gehen an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR.

8.27 Uhr: Baerbock übt wegen Afghanistan-Debakels scharfe Kritik an Maas

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat wegen der späten und chaotischen Evakuierungsaktion aus Afghanistan Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) scharf kritisiert. Die dramatische Zuspitzung der Lage sei "mit Ansage gekommen", sagte Baerbock bei "RTL Direkt". Sie verwies darauf, dass die deutsche Botschaft in Kabul frühzeitig vor den Gefahren durch den Vormarsch der Taliban gewarnt und rasches Handeln angemahnt hatte. "Wie kann es sein, dass der Außenminister nicht auf die Warnungen seiner eigenen Diplomaten hört?", fragte daher Baerbock.

8.01 Uhr: Nato-Offizieller: Flüge landen am Flughafen Kabul

Die Start- und Landebahn des Flughafens Kabul in Afghanistan ist nach Angaben eines Nato-Vertreters wieder geöffnet. Der zivile Repräsentant der Nato in Afghanistan, Stefano Pontecorvo, schrieb auf Twitter, er sehe Flugzeuge landen und abheben. Zuletzt war der Flugverkehr eingestellt, da sich Menschentrauben auf dem Flugfeld aufhielten. Viele Afghanen versuchen, nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban das Land zu verlassen. Der US-Sender CNN berichtete, Taliban-Kämpfer hätten in Humvees vor dem Flughafen Stellung bezogen und würden versuchen, die Menschenmassen rund um den Flughafen zu kontrollieren.

7.46 Uhr: Taliban verkünden Generalamnestie für afghanische Regierungsmitarbeiter

Die radikalislamischen Taliban haben eine Generalamnestie für alle afghanischen Regierungsmitarbeiter verkündet. Die Islamisten forderten die Beamten auf, zu ihrem Arbeitsplatz zurückzukehren. "Sie sollten mit vollem Vertrauen in Ihren Alltag zurückkehren", hieß es in einer Erklärung der Islamisten, die am Sonntag wieder Macht in Afghanistan an sich gerissen hatten.

7.32 Uhr: Nur sieben Menschen mit erster Bundeswehr-Maschine aus Kabul ausgeflogen

Die Bundeswehr hat mit ihrem ersten Evakuierungsflug nur sieben Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausfliegen können. "Wir können bestätigen, dass in der Nacht mit einem Flug aus Kabul sieben Personen evakuiert wurden", erklärte das Auswärtige Amt am Dienstag. Nach der Stationierung von Bundeswehrsoldaten auf dem Flughafen sollen mit weiteren Flügen im Laufe des Tages größere Gruppen aus Kabul in Sicherheit gebracht werden.

"Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen, vor allem durch die Menschenmengen", sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im ARD-"Morgenmagazin". "Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen", fügte die Ministerin hinzu. Es sei in erster Linie darum gegangen, Soldaten zur Absicherung der Evakuierungsflüge nach Kabul zu bringen. 

"Wir hatten nur ganz wenig Zeit und deswegen haben wir nur die mitgenommen, die jetzt wirklich auch vor Ort waren. Und die konnten gestern wegen der chaotischen Situation noch nicht in einer größeren Zahl am Flughafen sein", sagte Kramp-Karrenbauer. Eine zweite Transportmaschine warte derzeit auf die Freigabe der USA, um Richtung Kabul zu starten und weitere Menschen in Sicherheit zu bringen, fügte die Ministerin hinzu. Zur Absicherung der Flüge seien insgesamt bis 600 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr vorgesehen. 

6.34 Uhr: China kritisiert USA wegen Afghanistan-Abzug

US-Außenminister Antony Blinken und sein chinesischer Kollege Wang Yi haben über die Lage in Afghanistan gesprochen. Nach Angaben des Außenministeriums in Peking kritisierte Wang Yi das Vorgehen der USA und den "überhasteten" Rückzug der US-Streitkräfte, der negative Folgen habe. Auch zeige Afghanistan, dass es schwierig sei, ein ausländisches Modell in einem Land mit anderer Geschichte und Kultur anzuwenden. "Probleme mit Gewalt und militärischen Mitteln zu lösen, führt nur zu neuen Problemen", wurde Wang Yi auch zitiert. China sei bereit, einen Dialog mit den USA zu führen, um einen reibungslosen Übergang in Afghanistan zu fördern und einen neuen Bürgerkrieg und eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.

5.26 Uhr: UN-Sicherheitsrat fordert Ende der Gewalt in Afghanistan

Der UN-Sicherheitsrat hat nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgerufen. Zugleich sollten Verhandlungen über die Bildung einer neuen, gemeinschaftlichen und repräsentativen Regierung beginnen, der auch Frauen gleichberechtigt angehören, heißt es in einer Erklärung. Weder die Taliban noch andere Gruppen sollten afghanischen Boden nutzen, um andere Länder zu bedrohen oder anzugreifen. Afghanistans UN-Botschafter Ghulam Isaczai hatte während der Sitzung dazu aufgerufen, einen humanitären Korridor für die Evakuierung derjenigen zu schaffen, die Ziel von Angriffen und Vergeltung der Taliban werden könnten.

5.02 Uhr: Prinz Harry wendet sich an Afghanistan-Veteranen

Prinz Harry, der in der britischen Armee diente und zweimal in Afghanistan im Einsatz war, hat sich nach der faktischen Machtübernahme der Taliban an Veteranen gewandt. In einer Botschaft, die von der "Invictus Games Foundation" veröffentlicht wurde, rief er die Invictus-Gemeinschaft und Militärangehörige dazu auf, aufeinander zuzugehen und sich gegenseitig zu unterstützen. Bei den von Harry ins Leben gerufenen "Invictus Games" treten kriegsversehrte Soldaten in paralympischen Wettbewerben an. Die Erklärung verweist darauf, dass viele Teilnehmer bei den Spielen in Afghanistan gedient hätten und auch ein "Team Afghanistan" bei den Wettbewerben mitgewirkt habe.

5.01 Uhr: Viele afghanische Flüchtlinge erwartet

Nach der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan rechnen deutsche Politiker damit, dass Hunderttausende Menschen aus dem Land flüchten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach bei einer Unterrichtung der Fraktionschefs im Bundestag von 300.000 bis fünf Millionen weiteren Afghanen, die die Flucht ergreifen könnten. Einen Zeitraum nannte er nicht.

4.49 Uhr: Entwicklungsministerium will noch tausend afghanische Ortskräfte ausfliegen

Das Bundesentwicklungsministerium will noch rund tausend afghanische Helfer von Entwicklungsprojekten aus Kabul ausfliegen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte der "Augsburger Allgemeinen", 13 deutsche und internationale Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit seien bereits ausgeflogen worden. Es müssten aber noch rund tausend afghanische Ortskräfte, die in laufenden Projekten arbeiteten, sowie deren Familien gerettet werden. Der Minister forderte, auch frühere Mitarbeiter zu berücksichtigen.

Nachrichten von Montag, 16. August:

23.36 Uhr: Bundeswehrmaschine aus Kabul wieder gestartet – Soldaten abgesetzt

Das erste Militärflugzeug der Bundeswehr für den Evakuierungseinsatz in Afghanistan ist nach stundenlanger Verzögerung unter schwierigen Bedingungen auf dem Flughafen Kabul kurz gelandet. Der A400M setzte in Kabul die zur Sicherung der Evakuierungsaktion vorgesehenen Fallschirmjäger ab und startete dann wieder in Richtung der usbekischen Hauptstadt Taschkent, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Es war zunächst unklar, ob auf dem Rückflug bereits Schutzpersonen an Bord waren.

Die Maschine vom Typ A400M war zuvor fünf Stunden lang über dem Flughafen gekreist, der wegen chaotischer Zustände auf dem Rollfeld vorübergehend gesperrt war. Das Benzin hätte nicht mehr lange gereicht, hieß es. Zuvor hatte bereits eine andere Transportmaschine der Bundeswehr den Anflug auf Kabul abbrechen und zum Nachtanken nach Taschkent fliegen müssen.

Die beiden Flugzeuge sollen deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte, die früher für die Bundeswehr oder Bundesministerien gearbeitet haben oder noch arbeiten, zunächst nach Usbekistan bringen. Von dem dortigen Drehkreuz soll es dann mit Chartermaschinen weiter nach Deutschland gehen.

22.58 Uhr: US-General: Flughafen von Kabul wieder für Flugbetrieb geöffnet

Der Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul hat nach mehrstündiger Schließung wieder den Betrieb aufgenommen. Das sagte US-General Hank Taylor im US-Verteidigungsministerium. Der Flugverkehr war zuvor vorübergehend ausgesetzt worden, weil nach dem Einmarsch der radikalislamischen Taliban in Kabul tausende Afghanen das Flugfeld gestürmt hatten.

22.45 Uhr: Erste Bundeswehrmaschine in Kabul gelandet

Das erste Militärflugzeug der Bundeswehr für den Evakuierungseinsatz in Afghanistan ist nach stundenlanger Verzögerung unter schwierigen Bedingungen auf dem Flughafen Kabul gelandet. Die Maschine vom Typ A400M war zuvor fünf Stunden lang über dem Flughafen gekreist, der wegen chaotischer Zustände auf dem Rollfeld vorübergehend gesperrt war, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Militärkreisen erfuhr. Das Benzin hätte nicht mehr lange gereicht. Zuvor hatte bereits eine andere Transportmaschine der Bundeswehr den Anflug auf Kabul abbrechen und zum Nachtanken ins usbekische Taschkent fliegen müssen.

Die beiden Flugzeuge sollen deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte, die früher für die Bundeswehr oder Bundesministerien gearbeitet haben oder noch arbeiten, zunächst nach Taschkent ausfliegen. Von dem dortigen Drehkreuz soll es dann mit einer Chartermaschine weiter nach Deutschland gehen. Die beiden Maschinen waren am Morgen vom niedersächsischen Wunstorf Richtung Kabul gestartet und in Baku in Aserbaidschan zwischengelandet.

22.39 Uhr: Biden erhebt Vorwürfe gegen entmachtete Führung Afghanistans

US-Präsident Joe Biden hat nach dem Siegeszug der Taliban in Afghanistan schwere Vorwürfe gegen die entmachtete politische Führung und die Streitkräfte Afghanistans erhoben. "Die politischen Anführer Afghanistans haben aufgegeben und sind aus dem Land geflohen", sagte Biden. "Das afghanische Militär ist zusammengebrochen, manchmal ohne zu versuchen zu kämpfen." Die jüngsten Ereignisse hätten bekräftigt, dass der US-Truppenabzug aus Afghanistan die richtige Entscheidung gewesen sei. "Amerikanische Truppen können und sollten nicht in einem Krieg kämpfen und in einem Krieg sterben, den die afghanischen Streitkräfte nicht bereit sind, für sich selbst zu führen."

22.25 Uhr: Biden droht Taliban bei Angriffen mit starker militärischer Reaktion

US-Präsident Joe Biden hat den Taliban für den Fall eines Angriffs auf US-Kräfte mit "einer raschen und starken" militärischen Reaktion gedroht. Das gelte für jede Handlung der Taliban in Afghanistan, die das US-Personal oder deren Mission gefährden würde, sagte Biden.

22.23 Uhr: Biden verteidigt Abzug des US-Militärs aus Afghanistan

Trotz der raschen Machtübernahme durch die Taliban hat US-Präsident Joe Biden den von ihm angeordneten Abzug des US-Militärs aus Afghanistan verteidigt. Er stehe felsenfest zu seiner Entscheidung, sagte Biden im Weißen Haus. Es hätte auch keinen Unterschied gemacht, wenn die US-Truppen noch etwas länger in Afghanistan geblieben wären, sagte er. Auch dies hätte den mangelnden Kampfwillen der afghanischen Sicherheitskräfte nicht ändern können. Er sei gegen "endlose Militäreinsätze", betonte Biden.

Es war Bidens erste öffentliche Äußerung seit der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan und auch der Hauptstadt Kabul. Er betonte zudem, das ursprüngliche Ziel des US-Einsatzes in Afghanistan, das Ausmerzen der Terrorgruppe Al-Kaida nach den Anschlägen vom 11. September 2001, sei längst erreicht worden.

22.21 Uhr: Biden: Die USA können Terroristen auch ohne Bodentruppen bekämpfen

Die USA können islamistische Terrorgruppen wie Al-Kaida nach Ansicht von Präsident Joe Biden auch ohne eine permanente Militärpräsenz in dem Zielland effektiv bekämpfen. Das US-Militär zeige dies in anderen Ländern wie zum Beispiel Somalia oder Jemen, sagte Biden im Weißen Haus. Falls nötig, könne dies künftig auch in Afghanistan so geschehen, sagte er mit Blick auf den bevorstehenden Abzug der US-Truppen. Es war Bidens erste öffentliche Äußerung seit der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan.

22.20 Uhr: Luftwaffe ist für Evakuierung auf Flughafen Kabul gelandet

Die Luftwaffe ist unter schwierigen Bedingungen auf dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul gelandet. Ein Transportflugzeug vom Typ A400M setzte zur Evakuierung deutscher Staatsbürger auf der zeitweise wegen chaotischer Zustände gesperrten Rollbahn auf, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr.

21.52 Uhr: Pentagon: US-Kommandeur für den Nahen Osten traf Taliban-Führung

Der Kommandeur der US-Truppen im Nahen Osten, Kenneth McKenzie, hat sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums im Emirat Katar mit der Taliban-Führung getroffen. McKenzie habe bei dem Gespräch klargemacht, dass ein Angriff auf die US-Truppen oder den Einsatz am Flughafen Kabul eine "schnelle und sehr schlagkräftige Antwort" des US-Militärs nach sich ziehen würde, sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby. Er habe eine "sehr klare und eindeutige Warnung" ausgesprochen, fügte Kirby hinzu. Er machte keine genauen Angaben zum Zeitpunkt des Gesprächs und zu den Teilnehmern.

21.45 Uhr: Biden hält Fernsehansprache zu Afghanistan

Nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan äußert sich US-Präsident Joe Biden öffentlich zur Lage in dem Land. Biden wird im Weißen Haus in Washington eine Fernsehansprache halten, wie die Präsidentschaft mitteilte. Der Präsident, der sich seit Tagen nicht persönlich zu Afghanistan geäußert hatte, reist dazu vorzeitig von seinem Landsitz Camp David in die US-Hauptstadt zurück.Fotostrecke: Als Kabul in die Hände der Taliban fiel 1205

21.45 Uhr: Seehofer erwartet bis zu fünf Millionen mehr afghanische Flüchtlinge

Bundesinnenminister Horst Seehofer rechnet nach der Machtübernahme der Taliban damit, dass 300.000 bis fünf Millionen weitere Afghanen die Flucht ergreifen. Das sagte der CSU-Politiker nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei einer Unterrichtung der Bundestags-Fraktionschefs. Einen Zeitraum nannte er demnach nicht. Auch der "Spiegel"-Journalist Matthias Gebauer berichtete auf Twitter über die Aussage Seehofers. In der Vergangenheit haben insbesondere Nachbarländer wie der Iran und Pakistan Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen. Ein weiteres wichtiges Transit- und Zielland ist die Türkei.

21.30 Uhr: Pentagon: Derzeit rund 2500 US-Soldaten am Flughafen Kabul

Das US-Militär ist am Flughafen Kabul nach eigenen Angaben inzwischen mit rund 2500 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Im Lauf des Dienstags solle deren Zahl auf mehr als 3000 ansteigen, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. In einigen Tagen sollten dann rund 6000 US-Soldaten vor Ort sein, sagte er weiter. Sie sollen die Sicherheit des Flughafens gewähren und die Evakuierung von Amerikanern und früheren afghanischen Mitarbeitern der US-Streitkräfte organisieren.

In Bezug auf Videos, die zeigten, wie Afghanen versuchten, sich an US-Transportflugzeuge zu klammern, sagte Kirby, diese seien "außergewöhnlich" und "besorgniserregend". Er könne die Echtheit der Videos nicht bestätigen, aber sie unterstrichen, wie wichtig es sei, auf dem Flughafen wieder einen geordneten Betrieb zu ermöglichen. Kirby erklärte zudem, er könne Berichte, wonach Afghanen sich an ein US-Flugzeug geklammert hätten und dann zu Tode gestürzt seien, nicht bestätigen. Bislang gebe es dazu nur ungenügende Informationen.PAID Aufruf Massoud 20.35

21.24 Uhr: Großbritannien schickt 200 zusätzliche Soldaten nach Kabul

Im Zuge der Evakuierung von britischen Staatsbürgern und afghanischen Helfern will London 200 zusätzliche Soldaten nach Kabul schicken. Das teilte das britische Verteidigungsministerium mit, nachdem in der vergangenen Woche bereits 600 militärische Kräfte nach Afghanistan entsandt wurden. Die Soldaten sollen dabei helfen, die verbliebenen britischen Staatsbürger und afghanischen Helfer des britischen Militärs möglichst schnell aus dem Land zu holen.

20.51 Uhr: Merkel setzt bei Flüchtlingsfrage auf Afghanistans Nachbarstaaten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angekündigt, den afghanischen Nachbarstaaten schnell Hilfe anzubieten, um Fluchtbewegungen nach Europa unter Kontrolle zu halten. "Hier geht es vor allen Dingen darum, dass wir den Nachbarstaaten helfen, in die die afghanischen Flüchtlinge gegebenenfalls kommen", sagte Merkel bei einer Pressekonferenz zur Krisenlage in Afghanistan. Im Vordergrund stehe dabei die Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Pakistan, sagte Merkel. Wichtig sei es auch, Kontakt zum UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR aufzunehmen. Darüber werde am Mittwoch auch das Bundeskabinett beraten.

Es sei wichtig, den vielen Menschen, die nicht direkt mit deutschen Institutionen und für Deutschland gearbeitet hätten, eine "sichere Bleibe in der Umgebung von Afghanistan" zu geben, sagte die Kanzlerin. Merkel warnte davor, im Zusammenhang mit Geflüchteten Fehler aus der Vergangenheit zu wiederholen.

20.50 Uhr: Merkel: Gedanken sind bei politisch engagierten Frauen in Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat angesichts der Entwicklung in Afghanistan an die politische Arbeit von Frauen in dem Land erinnert. "An einem Tag wie heute sind unsere Gedanken bei den vielen Frauen in Afghanistan, die in diesen Tagen und Stunden um ihr Leben fürchten müssen, weil sie sich politisch engagiert haben", sagte Merkel.

"Im Gegensatz dazu leben wir natürlich vergleichsweise in einer gefestigten Demokratie und mit einem Grundgesetz, das die Gleichberechtigung von Frauen und Männern nicht nur festschreibt, sondern – nach langen Diskussionen – den Staat verpflichtet, die Durchsetzung dieser Gleichberechtigung zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken", sagte sie.

20.24 Uhr: Deutsche Ortskräfte in Kabul verlassen Sammelunterkünfte

In Kabul haben rund 350 Ortskräfte ihre von einer deutschen gemeinnützigen Organisation organisierten Sammelunterkünfte verlassen. Das teilte ein ehemaliger Übersetzer der Bundeswehr in Masar-i-Scharif der Deutschen Presse-Agentur mit. Demnach haben die Ortskräfte eine Anordnung bekommen, ihre drei "Safe Houses" zu verlassen, sagte der ehemalige Sprachmittler. Zuerst hatte das ZDF-Magazin "Frontal" berichtet.

Der Übersetzer sagte, sie seien gegen Montagmittag (Ortszeit) aus den Häusern ausgezogen. Es habe Informationen gegeben, dass die Taliban, die ab Sonntagabend (Ortszeit) im Zuge ihrer faktischen Machtübernahme nach und nach in der Hauptstadt Kabul Positionen und Behörden einnahmen, Häuser durchsuchten. Deswegen habe der Verwalter des "Safe Houses" gebeten, die Unterkunft so schnell wie möglich zu verlassen. Nun würden die rund 350 Menschen alle einzeln in Kabul wohnen.

19.55 Uhr: Bundeswehrmaschinen wechseln im Luftraum über Kabul ab

Eine Vielzahl von Zivilisten auf dem Flugfeld der Airports in Kabul verhindert nach wie vor das Landen von Bundeswehrmaschinen, die zur Evakuierung von rund 10.000 Menschen, die nach Deutschland geholt werden sollen. Eine Maschine vom Typ A 400M musste abdrehen, um in der usbekischen Hauptstadt Taschkent nachzutanken, wie aus Militärkreisen verlautete. Sie sollte über den Kabuler Luftraum durch eine andere Maschine ersetzt werden. Auf diese Weise bleibe die Luftwaffe in der Lage, jede Gelegenheit zur Landung zu nutzen, hieß es.

19.31 Uhr: Größte Fahne des Landes in Afghanistan eingeholt

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist nach der faktischen Machtübernahme der Taliban die größte Landesfahne des Landes eingeholt worden. Das zeigten Fernsehbilder. Die Fahne war ein Geschenk Indiens und war erstmals 2014 am Wasir-Akbar-Khan-Hügel gehisst worden, einer Anhöhe im Zentrum der Stadt. Sie galt als eine Art Wahrzeichen, war ein beliebtes Fotomotiv und konnte von weitem gesehen werden. Auf dem Hügel gibt es unter anderem auch ein Schwimmbad mit Sprungturm, das zur Zeit der Taliban-Herrschaft für Exekutionen genutzt worden war. Es ist unklar, ob dort demnächst eine Taliban-Flagge gehisst werden soll.

19.29 Uhr: Merkel: "Überaus bittere Entwicklung" – Ziele künftig kleiner fassen

Den internationalen Einsatz in Afghanistan hat die Kanzlerin in ihrem Statement als Enttäuschung bewertet. Jenseits der Bekämpfung des Terrorismus sei alles "nicht so geglückt und nicht so geschafft worden, wie wir uns das vorgenommen haben", sagte die CDU-Politikern in Berlin. "Das ist eine Erkenntnis, die ist bitter." Es seien "keine erfolgreichen Bemühungen" gewesen. Daraus müsse man Lehren ziehen "und seine Ziele auch kleiner fassen" bei solchen Einsätzen. Die Taliban hätten das ganze Land erneut unter ihre Kontrolle gebracht. "Das ist eine überaus bittere Entwicklung", sagte Merkel.

19.12 Uhr: Merkel verspricht Rettung möglichst vieler Ortskräfte und Helfer

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Rettung möglichst vieler Ortskräfte der Bundeswehr und Mitarbeiter von Entwicklungshilfe und NGOs angekündigt. 1900 von 2500 Ortskräften seien bereits ausgeflogen worden. Hoffnungen auf eine Aufnahme in Deutschland dämpfte die Kanzlerin allerdings. Vielmehr sollen die Nachbarstaaten Afghanistans bei der Aufnahme von Flüchtlingen unterstützt werden. Rund 1500 Helfer seien für weitere Organisationen in Afghanistan im Einsatz gewesen, auch diese sollten möglichst ausgeflogen werden. Ebenso wie Frauenrechtlerinnen und Journalist:innen. Die Bedingungen am Flughafen in Kabul nannte die Kanzlerin "extrem schwierig". Ob die Evakuierungen gelingen können, "haben wir leider nicht mehr in der Hand". Die Entwicklung in Afghanisten sei "dramatisch und furchtbar".

18.59 Uhr: Über 300 türkische Staatsbürger aus Kabul ausgeflogen

Trotz des Chaos auf dem Flughafen von Kabul hat die Türkei mehr als 300 Staatsangehörige aus Afghanistan ausgeflogen. Die vom türkischen Außenministerium gecharterte Maschine der Turkish Airlines landete am Nachmittag mit 324 Passagieren an Bord in Istanbul, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Ihr war der Start in Kabul gelungen, während tausende Afghanen verzweifelt versuchten, einen Platz für einen Evakuierungsflug zu erwischen. Das Ministerium hatte die Boeing 777 bereits am Wochenende nach Kabul geschickt, um türkische Staatsangehörige zurückzubringen, die einen entsprechenden Antrag gestellt hatten. 

18.41 Uhr: Laschet gegen pauschale Zusage für Aufnahme afghanischer Flüchtlinge

CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat sich für die Aufnahme bestimmter gefährdeter Gruppierungen aus Afghanistan in Deutschland ausgesprochen, eine pauschale Öffnung für Flüchtlinge nach der Machtübernahme der Taliban aber abgelehnt. Als Beispiel nannte er "Frauen, die sich besonders in diesem Afghanistan, das auf Freiheit hoffte, engagiert haben". Das sei etwas wie ein Kontingent, sagte der CDU-Vorsitzende in Berlin nach Beratungen von Präsidium und Bundesvorstand seiner Partei. "Aber ich glaube, dass wir jetzt nicht das Signal aussenden sollten, dass Deutschland alle, die jetzt in Not sind, quasi aufnehmen kann. Die Konzentration müsse darauf gerichtet sein, vor Ort, jetzt diesmal rechtzeitig – und anders als 2015 – humanitäre Hilfe zu leisten", sagte Laschet. Mit Blick auf den damaligen Flüchtlingsstrom nach Deutschland betonte er: "Wir dürfen die Fehler von 2015 nicht wiederholen." 

18.38 Uhr: Maas verteidigt Zeitpunkt der Rettungsaktion

Bundesaußenminister Heiko Maas hat die Entscheidung, das Botschaftspersonal nicht früher aus Kabul abgezogen zu haben, gegen Kritik verteidigt. Dies sei in Abstimmung mit anderen Ländern erfolgt, "die genauso verfahren sind", sagte er am Montag in Berlin. Zudem wäre es unter anderen Umständen "unmöglich gewesen, die 1900 Ortskräfte, die schon in Deutschland sind, nach Deutschland zu bringen. Das war Aufgabe des Botschaftspersonals." Inzwischen befindet sich laut Maas nur noch das Kernteam der Botschaft in Kabul, das nun die Evakuierung der Ortskräfte und verbliebenen deutschen Staatsbürger organisiere.  

18.22 Uhr: Maas: "So viele Menschen wie möglich aus der Situation retten"

Die aktuellen Bilder, vor allem von den verzweifelten Menschen am Flughafen von Kabul, hat Bundesaußenminister Heiko Maas als "außerordentlich schmerzhaft" bezeichnet. Es komme jetzt für die Bundesregierung darauf an, "so viele Menschen wie möglich aus dieser Situation zu retten". 

Dafür solle der Kreis derjenigen, die in Deutschland aufgenommen werden, noch einmal erweitert werden, sagte der Außenminister. Er solle neben den Ortskräften der Bundeswehr und der Bundesregierung nun auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen, der Entwicklungshilfe sowie Menschenrechtsaktivisten und Frauenrechtlerinnen umfassen. "Diese Zahl wird multipliziert werden müssen mit den Familienangehörigen", so Maas weiter. Der Großteil der Betroffenen sei bereits in Kabul. Maas räumte allerdings ein, dass noch unklar sei, wie diese Menschen unter den aktuellen Umständen zum Flughafen gelangen könnten. Soweit ihnen das gelinge, sollten sie sowohl mit deutschen wie auch mit US-Flugzeugen ausgeflogen werden, sagte der Minister. Derzeit seien bereits 1900 afghanische Ortskräfte in Deutschland. Auch der Großteil des deutschen Botschaftspersonals sei bereits am Sonntag aus Kabul ausgeflogen worden. 

Bundeswehr startet Kabul-Luftbrücke - Merkel: 10.000 Menschen werden ausgeflogen 1640

18.13 Uhr: Bundeswehrmaschine über Kabul in Warteschleife

Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ins Stocken geraten. Zwei Militärtransporter vom Typ A400M wurden am Montag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aufgehalten, weil sie wegen des Chaos auf dem Flughafen Kabul derzeit dort nicht landen können. Sie hingen deswegen nach einem Tankstopp zunächst im aserbaidschanischen Baku fest. Eine der Maschinen startete dann am Nachmittag von dort nach Kabul, blieb aber zunächst in einer Warteschleife in der Luft. Zivilisten auf dem Flugfeld verhinderten weiterhin die Landung der Maschine, hieß es aus Militärkreisen.

17.57 Uhr: Russisches Außenministerium sieht Stabilisierung der Lage durch Taliban

Nach der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan "stabilisiert" sich nach russischen Angaben die Lage in der Hauptstadt Kabul und dem Land. Die radikalislamischen Kämpfer hätten begonnen, "die öffentliche Ordnung wiederherzustellen", erklärte das russische Außenministerium am Montag. Zudem hätten sie für die Sicherheit der örtlichen Zivilbevölkerung und der diplomatischen Vertretungen garantiert. Im  Gegensatz zu den westlichen Staaten will Russland seine Botschaft offen halten. Nach Angaben seines Außenministeriums steht Russland bereits in direktem Kontakt mit "Vertretern der neuen Behörden" in Kabul.

17.38 Uhr: Nato-Krisensitzung zu Afghanistan am Dienstag

Die Botschafter der Nato-Mitgliedstaaten werden am Dienstag in einer Krisensitzung über die Lage in Afghanistan beraten. Im Anschluss werde Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg um 15.00 Uhr (MESZ) eine Pressekonferenz geben, teilte ein Vertreter des Bündnisses mit. Es ist Stoltenbergs erster Auftritt vor den Medien seit Juni.

17.35 Uhr: Amnesty fordert umfassendere Evakuierungen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat die Bundesregierung zu einem umfassenderen Evakuierungseinsatz in Afghanistan aufgerufen. "Die Bundesregierung bleibt über das bislang Zugesagte hinaus gefordert", erklärte Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, am Montag. Neben Ortskräften müssen auch Journalistinnen und Journalisten, Frauenrechtler und Menschenrechtsverteidiger, "die akut besonderer Gefahr ausgesetzt sind, unbürokratisch soweit möglich geschützt und evakuiert werden". Es brauche zudem kurzfristige breitere Aufnahmeprogramme. "Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, der jede Minute Menschenleben kostet." Die Bundesregierung dürfe sich hier nicht in ihrer Hilfe beschränken, "sondern sollte aktiver Teil einer internationalen Notinitiative sein".

17.26 Uhr: Maas gibt Fehleinschätzung zu

Nach der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hat Bundesaußenminister Heiko Maas Fehler eingeräumt. "Es gibt auch nichts zu beschönigen: Wir alle – die Bundesregierung, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft – wir haben die Lage falsch eingeschätzt", räumte er am Montag ein. Man habe nicht vorhergesehen, dass die afghanischen Streitkräfte nicht bereit gewesen seien, sich den Taliban entgegenzustellen. "Das ist eine Fehleinschätzung gewesen von uns allen. Darüber werden wir sicherlich auch zu reden haben", sagte Maas.

17.09 Uhr: US-Soldaten töten zwei bewaffnete Männer am Flughafen Kabul

US-Soldaten haben auf dem Flughafen von Kabul am Montag zwei bewaffnete Männer getötet. Inmitten von tausenden Menschen, die sich dort friedlich aufhielten, hätten zwei Männer ihre Waffen "auf bedrohliche Weise geschwungen", sagte ein Vertreter des Pentagon. Nach der Machtübernahme der Taliban versuchen tausende Menschen, das Land zu verlassen.



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