Weniger «Mallorca-Klientel» in Nationalparks im Nordosten

Wegen der Corona-Reisebeschränkungen sind 2020 mehr und andere Gäste in die hiesigen Nationalparks gekommen. Das sorgte auch für Konflikte. Im zweiten Corona-Sommer war es etwas entspannter.

Auch im zweiten Corona-Sommer haben mehr und andere Gäste als sonst die Nationalparks im Nordosten besucht. «Wir haben jetzt auch Leute, die ein anderes Reiseverhalten haben», sagte Annette Beil vom Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. «Die sind sonst ganz woanders hingefahren.» Auch Ingolf Stodian, Leiter des kleinsten Nationalparks Deutschlands - dem Nationalpark Jasmund auf Rügen - sagte: «Es sind mehr als sonst im Durchschnitt.» Die Spitzenzahlen von 2020 habe man aber nicht erreicht.

Stodian geht von etwa 20 Prozent mehr Besuchern aus. 2020 seien es sogar 40 bis 50 Prozent mehr gewesen. Der Nationalpark habe Mitte August eine Zähleinrichtung installiert. Die zeige, dass auf einem Wanderweg bei dem berühmten Königsstuhl in der Mittagszeit pro Stunde bis zu 750 Menschen liefen. «Das sind alle paar Sekunden einer.»

Die Besucher, die mangels Auslands-Reisemöglichkeiten nach Jasmund kommen «mussten», wie sie laut Stodian sagten, seien weniger als im Vorjahr. Damit habe es auch weniger Konflikte gegeben. Dennoch seien mehr solcher Gäste gekommen als im langjährigen Vergleich - und das sorge immer mal wieder für Probleme: Häufig verließen Menschen etwa die markierten Wege. Einige fahren laut Stodian auch mit ihren Autos über Rettungswege in den Nationalpark. Die meisten kämen mit einer mündlichen Verwarnung davon. «Wenn dann jemand den Hang hochklettert, dann ist natürlich Schluss.» Dann würden auch Verwarngelder verhängt und häufig auch die Polizei hinzugezogen, wenn die Betroffenen aggressiv werden.

Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gibt es laut Beil etwa Probleme mit Badetouristen, die trotz Verbots in Dünen kletterten. «Wenn die Ranger dann die Kontrollen am Strand machen und die Leute darauf ansprechen, wird auch zum Teil sehr aggressiv reagiert.» Es habe nach Angaben ihrer Ranger auch wieder mehr Konflikte als normalerweise gegeben, aber nicht so viele wie 2020. «Erst haben sie gesagt, dieses Mallorca-Klientel haben wir jetzt gar nicht.» Dann seien sie nach Aussage der Ranger doch noch gekommen, «aber nicht so sehr schlimm wie 2020». Sie vermutet, dass das daran liegt, dass in diesem Jahr wieder leichter Reisen etwa in den Mittelmeer-Raum möglich waren.



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